„Wie bei uns in Ngorongoro“

Internationale Gäste im Nationalpark Jasmund

Experten aus UNESCO-Welterbestätten der ganzen Welt besuchten am 17. November den Nationalpark Jasmund.
Die 16 Teilnehmer kamen aus den USA, Israel, Tansania, Kolumbien, Indien, Norwegen, Vietnam, Mexiko und weiteren Ländern.

Sie vertraten sowohl Kultur- als auch Naturerbestätten und interessierten sich für das UNESCO-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder – wie der Schutz der Stätte ganz praktisch gewährleistet wird und mit welchen rechtlichen Hilfen, wie die Besucher gelenkt und informiert werden und welche Herausforderungen das Management mit sich bringt. „Wie bei uns in Ngorongoro“, war zuweilen der Kommentar von James Wakibara von der Naturschutzbehörde TANAPA in Tansania, während die Vertreterin des Nationalparkamtes zum Beispiel zum Thema Wildtiermanagement informierte.

Der Afrikaner ist dort für das Welterbe “Ngorongoro Conservation Area” mit verantwortlich. Die UNESCO-Welterbestätten eint also nicht nur der begehrte Titel, sondern auch die eine oder andere praktische Frage. „Dieses Zusammentreffen vor Ort ist sehr wichtig. Die Teilnehmer haben bereits viele Erfahrungen und sind sehr dankbar für diese Form des Austausches“, betonte die Organisatorin und ebenfalls Welterbe-Fachfrau, Barbara Engels, vom Bundesamt für Naturschutz. Sie begleitete die Gruppe auch in den vorigen Tagen auf einem Workshop auf der Insel Vilm. Dort ging es um die Umsetzung der neuen Politik des Welterbeübereinkommens zu Welterbe und nachhaltiger Entwicklung. Den Abschluss der Exkursion bildete der Besuch des Nationalpark-Zentrums KÖNIGSSTUHL, wo Dirk Steffens auf mehreren Kinoleinwänden die ganze Geschichte der Alten Buchenwälder erzählt. Nach einem Besuch der historischen Altstadt der Hansestadt Stralsund, haben die Gäste einen kompletten Einblick in die UNESCO-Welterbestätten des Landes M-V erhalten, der Kulturerbestätte, die die Hansestädte Stralsund und Wismar vereint, und der Naturerbestätte, zu der die Alten Buchenwälder der Nationalparks Jasmund und Müritz zählen.

Nationalparkamt Vorpommern


Die Delegation mit Experten aus UNESCO-Welterbestätten aus 14 Ländern war zu Gast in den Welterbe-Buchenwäldern im Nationalpark Jasmund und dem Weltkulturerbe vor den Toren der Insel Rügen, der Altstadt der Hansestadt Stralsund.
(Foto: P. Lehmann)


Auf einer Wanderung durch die herbstlich-sonnigen Wälder entlang der Kreideküste Jasmunds wurde genauso eifrig gefachsimpelt wie fotografiert.
(Foto: K. Bärwald)


Die internationale Gruppe wurde von Katrin Bärwald vom Nationalparkamt Vorpommern in den Nationalpark und die UNESCO-Welterbestätte eingeführt.
(Foto: P. Lehmann)

Hintergrund

UNESCO-Welterbe im Nationalpark Jasmund

Tief verborgen und gut geschützt im Nationalpark Jasmund wachsen besonders wertvolle Wälder. Die UNESCO erklärte die alten Buchenwälder im Herzen des Nationalparks zusammen mit den wertvollsten Buchenwäldern Europas zum Weltnaturerbe.

In dem 3.070 Hektar großen Schutzgebiet steht auf 2.168 Hektar der größte zusammenhängende Buchenwald an der Ostseeküste. 493 Hektar umfasst das Waldareal der UNESCO-Welterbestätte.

Die Alten Buchenwälder auf Jasmund gehören zu den letzten unversehrten Wäldern Europas. In ihnen besteht der natürliche Kreislauf von Werden und Vergehen noch ewig fort und wird durch nichts gestört.
Durch ihre einmalige Einbettung in die umliegende Landschaft, verbunden mit dem weiten Blick über die Ostsee und auf die Kreideküste, werden sie noch wertvoller.

In den Bergen der Karpaten wachsen die letzten großflächigen Buchenurwälder Europas. Mit der Erweiterung um die Buchenwälder in Deutschland repräsentieren die als Welterbe geschützten Gebiete nun ganz unterschiedliche Formen und Standorte von Buchenwäldern in allen Höhenstufen sowie ihre einzigartige Ausbreitungsgeschichte in der Nacheiszeit.

Die aus mehreren Teilgebieten bestehende Stätte trägt den Namen UNESCO-Weltnaturerbe “Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.

Alte Buchenwälder zählen weltweit zu den stark bedrohten Lebensräumen. Anders als in vielen Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes, wo es darum geht, konservierend einzugreifen, lautet das Prinzip zum Schutz der Buchenwälder: Nichts tun. Nur so lässt sich dieses großartige Erbe auch für zukünftige Generationen der Menschheit erhalten.

UNESCO-Welterbe weltweit

Das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“, auch Welterbekonvention
genannt, wurde 1972 von der UNESCO verabschiedet. Es ist das international bedeutendste Instrument
zum Schutz unseres kulturellen und natürlichen Erbes.

Leitidee des Welterbeübereinkommens ist die „Erwägung, dass Teile des Kultur- oder Naturerbes
von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen
Menschheit erhalten werden müssen.“ Der außergewöhnliche universelle Wert bezeichnet eine so
herausragende Bedeutung, dass sie die nationalen Grenzen durchdringt und sowohl für gegenwärtige
als auch für zukünftige Generationen von Bedeutung ist. Welterbestätten gehören somit nicht allein den Staaten, auf deren Territorien sie sich befinden, sondern sie sind ideeller Besitz der gesamten Menschheit.

Als Weltnaturerbe werden einzigartige Naturphänomene, als Weltkulturerbe herausragende menschliche
Kulturleistungen bezeichnet. Diese einmaligen Naturlandschaften, Lebensräume für Tiere und
Pflanzen, geologische Formationen, Kulturlandschaften und Kulturguter bilden zusammen die UNESCO-Welterbeliste. Sie ist das wichtigste Instrument der Welterbekonvention. Voraussetzungen für die Aufnahme in die Welterbeliste sind vor allem der außergewöhnliche universelle Wert einer Stätte, ihre Unversehrtheit und die Gewährleistung ihres Schutzes. Vertragsstaaten können die Aufnahme von Stätten beantragen, die sich auf ihrem Hoheitsgebiet befinden. Mit der Antragstellung
erkennen sie deren weltweite Bedeutung an. Sie verpflichten sich, diese für zukünftige Generationen
zu erhalten.

UNESCO-Welterbe in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es gegenwärtig zwei Welterbestätten mit jeweils zwei Teilen.
Zur UNESCO-Weltnaturerbestätte Alte Buchenwälder zählen die wertvollsten Wälder im Müritz-Nationalpark und im Nationalpark Jasmund. Das UNESCO-Weltkulturerbe Historische Altstädte Stralsund und Wismar eint die kulturhistorisch weltweit einmaligen Stadtkerne der beiden Hansestädte.

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