Amphibien und Reptilien

Giftig, aber kaum gefährlich:
- Kreuzotter (Vipera berus)

Farbenfrohe Schlange

Sie wird oft als unsere schönste Schlangenart bezeichnet. Es gibt zwar Menschen, die Schlangen “aus Prinzip” nicht mögen, aber selbst diese können der Kreuzotter meist eine gewisse Ästhetik abgewinnen. Kaum eine andere Schlangenart variiert so stark in Färbung und Zeichnung. Es gibt rote, orange, braune, gelbe, schwarze, graue und weißliche Individuen, wahlweise mit oder ohne das charakteristische namengebende Zickzackmuster auf dem Rücken. Auch dieses Muster ist stark veränderlich.

Kreuzotter
Mal mit Kreuzen, mal mit Quadraten, mal rot, mal grau oder beige kommt das abwechslungreiche Reptil daher. Aber als ganz schwarze Variante erwärmt es sich in der Sonne am besten.
(Foto: R. Hausmann)

Leben auf der Sonnenseite

Kreuzottern kommen selbst jenseits des Polarkreises vor. Das dortige Klima ist nicht gerade reptilienfreundlich, und die Vermehrung klappt nur, weil die Kreuzotter lebendgebärend ist. Statt wie die meisten anderen Reptilien ihre Eier im Boden abzulegen und sie dort von der wärmenden Sonne ausbrüten zu lassen, behält sie ihre Eier im Körper. Der Vorteil: Sie kann der Sonne hinterher kriechen, jeden Sonnenstrahl nutzen, und so selbst im kurzen Polarsommer erfolgreich Nachwuchs hervorbringen.
Die sich sonnenden Kreuzottern, die Sie mit aufmerksamem Auge im Nationalpark beobachten können, tun oft nichts anderes als ihre Eier ausbrüten. Im Nationalpark gibt es Kreuzottern in fast allen offenen Dünen- und Heidegebieten und in den lichten Wäldern. Sogar die Insel Hiddensee konnte die Kreuzotter erobern und hat dort in der Dünenheide ihren vermutlich dichtesten Bestand im Nationalpark.

Auf dem Speisezettel der Ottern stehen Mäuse und Frösche ganz oben. Sobald die Schlange ein Beutetier wittert fängt sie lebhaft an zu züngeln, denn mit der Zunge “riecht” sie ihre Beute. Sie nähert sich ihrem Opfer bis auf wenige Zentimeter und beißt dann blitzschnell zu. Das Gift der Schlange lähmt das Opfer in wenigen Minuten und fördert gleichzeitig die Verdauung. Die Beute wird stets mit dem Kopf zuerst und im Ganzen verschlungen.

Gefährlichkeit weit überschätzt

Der Biss einer Kreuzotter ist für den Menschen entgegen der allgemein verbreiteten Meinung kaum jemals tödlich. Es müssen schon eine ganze Reihe ungünstiger Umstände zusammen kommen, damit ein Biss nicht nur schmerzhaft, sondern auch lebensgefährlich werden kann. Vielfach ist ein Biss so glimpflich, dass die betroffene Person ihn gar nicht bemerkt. Falls Sie gebissen werden, sollten Sie aber trotzdem generell einen Arzt aufsuchen. Die Ärzte in der Nationalparkregion sind auf Schlangenbisse gut vorbereitet und haben im Bedarfsfall das richtige Serum zur Hand.

Übrigens wird eine Kreuzotter niemals einen Menschen verfolgen. Der Biss ist eine bloße Verteidigungshandlung. Kreuzottern ergreifen vor dem Menschen normalerweise sofort die Flucht. Sie können die beim Gehen verursachten Bodenerschütterungen aus mehreren Metern Entfernung spüren und sind meist schon verschwunden, bevor man sie überhaupt erblickt hat.
Die Scheu ist berechtigt. Der Hauptfeind der Kreuzotter ist ohne Zweifel der Mensch. Nicht nur, dass immer noch viele Individuen gezielt getötet werden. Sehr viele Ottern werden auch auf Straßen und Wegen durch Autos überfahren, selbst im Nationalpark. Für viele Menschen ist der Anblick einer plattgefahrenen Kreuzotter überhaupt die einzige Begegnung, die sie jemals mit dieser Tierart haben.

Kurz und bündig
  • Kreuzottern überwintern gesellig, oft auch mit anderen Schlangenarten zusammen, in frostfreien unterirdischen Hohlräumen.
  • Die durchschnittliche Größe erwachsener Kreuzottern liegt bei 50 bis 60 cm. Alle Angaben im Bereich von weit über einem Meter können Sie getrost als erfundene Horrorgeschichten abtun.
  • Um Bissverletzungen zu vermeiden ziehen Sie festes Schuhwerk (keine Sandalen) und lange Hosen an. Versuchen Sie niemals, eine Schlange zu fangen, sie zu verjagen oder gar zu töten! So erreichen Sie einen fast vollständigen Schutz vor Schlangenbissen.
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