Vögel

Weißer Riese: Der Höckerschwan (Cygnus olor)

Ordnung: Anseriformes (Gänsevögel)
Familie: Anatidae (Entenvögel)
Gattung: Cygnus
Gewicht: 8-12 kg
Länge: 130-150 cm
Nahrung: Gras, Wasserpflanzen mit den darin befindlichen Kleintieren
Verbreitung: Großbritannien und Südschweden bis Mitteleuropa, weiter östlich in den übrigen Teilen Europas und Asien nur inselartige Populationen
Überwinterung: z.T. Zugvögel: Mittel-, Südosteuropa
Gefährdung: Rote Liste Deutschland (2007); Rote Liste MV (2003): nicht bedroht; Anhang II/2 EU-Vogelschutzrichtlinie

Auffällige Vögel der Boddengewässer


Der Name Höckerschwan bezieht sich auf den schwarzen Höcker auf dem grell orangefarbenen Schnabel. Bei den Männchen ist der Höcker größer als bei den Weibchen (Foto: J. Reich)

Die vielen weißen Sprenkel, die Sie aus großer Entfernung oft auf Bodden und Windwatten sehen, sind einige der vielen Hundert Höckerschwäne, die sich dauerhaft im Nationalpark aufhalten. Als eine unserer größten einheimischen Vogelarten und durch ihre auffällige grellweiße Färbung sind sie viele Kilometer weit zu sehen. Mit 8 bis 12 kg und über 2 m Flügelspannweite gehört der Höckerschwan außerdem zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt.

Die Nahrung der Schwäne besteht hauptsächlich aus Pflanzen, die sie mit Hilfe ihres langen Halses vom Gewässergrund holen. Die flachen, pflanzenreichen Boddengewässer stellen somit ideale Lebensbedingungen für den Vogel dar, ein Grund, weswegen er im Nationalpark so häufig zu beobachten ist.

Die Nester werden entweder in den Schilfgürteln oder völlig freistehend, zum Beispiel auf der Insel Heuwiese südlich von Ummanz, errichtet. (s. a. Küstenvogelbrutgebiet “Heuwiese”) Allein auf dieser Insel nisteten 2010 knapp 100 Brutpaare. Mit dem Nestbau beginnen die Schwäne sobald die Brutgewässer eisfrei sind, häufig also schon im März. Das Männchen reißt dazu in der näheren Umgebung Pflanzen aus und trägt sie in Reichweite des Weibchens, das sie dann um sich herum anlegt. So entsteht ein großer Haufen aus unterschiedlichstem Pflanzenmaterial mit einer ausgerundeten Nestmulde, in der im April oder Mai 4 bis 7 graugrüne oder grauweiße Eier abgelegt werden. Während das Weibchen ungefähr 35 Tage überwiegend allein brütet, hält sich das Männchen in der Nähe auf und wehrt Eindringlinge ab. Die Jungen sind erst nach 4 bis 5 Wochen flügge, versuchen sich im 2. bis 3. Lebensjahr schon im Nestbau, werden aber erst mit dem 4. Lebensjahr erwachsen.


Hans Christian Andersons Märchen vom hässlichen kleinen Entlein aus dem ein schönes Schwan wird ist fest in unserer Geschichtenwelt verankert (Fotos: J. Reich, I. Stodian).

Durch die langsamen, kräftigen Flügelschläge und die Federbeschaffenheit entsteht beim Höckerschwan während des Fliegens ein deutliches Pfeifen (Foto: I. Stodian).

Der Höckerschwan gehört zu den Vogelarten, die ein sehr hohes Alter erreichen können und so sind 20 Jahre alte Vögel keine Seltenheit. Das Schwanenleben konnte in früheren Zeiten aber auch dramatisch kurz sein. Schwanendaunen waren sehr beliebt und man konnte die Vögel während ihrer Mauser, wenn sie 7 Wochen lang flugunfähig sind, gut zusammentreiben und erschlagen. An der Küste gehörte das Schwanenschlagen in den vergangenen Jahrhunderten fest zum Jahresablauf. Die damals stark ausgedünnten Bestände haben sich aber in der 2. Hälfte des 20. Jhd. wieder gut erholt. Die großen Flachwasserbereiche der Bodden des Nationalparks bieten den Tieren zur Mauser optimale Nahrung, Schutz und Ruhe. Hier versammeln sich allsommerlich Höckerschwäne zu Tausenden. Der Bestand wurde 2005 bundesweit mit 9500-12.000 Brutpaaren angegeben. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet davon 2500-3500 Brutpaare.

Bestandszahlen des Höckerschwans von 1990 bis 2010 im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“.


Bedeutende Rolle in Sagen und Mythen

Schwäne galten durch die Verwandlung vom grauen Küken zum weißen Altvogel als Symbol der Reifung und Vollendung. Außerdem wurden sie zeitlebens mit Liebe und Eros in Verbindung gebracht. Abgesehen von unzähligen literarischen Werken war die skandalöse Affäre von Zeus in Schwanengestalt das Lieblingsmotiv ganzer Malergenerationen. Wegen seines majestätischen Äußeren wurde er in alten Zeiten als zahme Form auf Schlossteichen und Parkseen gehalten. Auch heute noch ist er aus Parkanlagen nicht mehr wegzudenken.
Auch an unserer Küste kommt dem Schwan eine besondere Bedeutung zu, wie Prof. Karl Knortz schreibt: „Die Vorstellung, dass der Storch die kleinen Kinder bringe, ist auf Rügen, wie es scheint, nicht die ursprüngliche. Weit älter scheint die Anschauung zu sein, dass der Schwan die kleinen Kinder bringe, wie denn auch noch jetzt die Neugeborenen „Schwanskinder“ genannt werden. Ferner macht man auch wohl einen Unterschied, indem man sagt, im Winter werden die kleinen Kinder vom Schwan und im Sommer vom Storch gebracht. Sodann aber werden die großen Granitblöcke, welche an der Küste von Jasmund zerstreut liegen, von den Bewohnern des Dorfes Sassnitz Schwansteine genannt. In ihnen verschlossen, liegen die kleinen Kinder, Schwanskinder genannt.“

Wussten Sie schon,...

…dass der Nahrungsbedarf der Höckerschwäne sehr hoch ist und mitunter während der Mauser bis zu vier Kilogramm an Wasserpflanzen betragen kann?!

…dass einige Nester gigantische Ausmaße annehmen, weil sie über Jahre hinweg benutzt werden?!

…dass noch zwei weitere Schwanarten im Nationalpark anzutreffen sind?! Sing- und Zwergschwäne (Cygnus cygnus, Cygnus columbianus bewickii) treffen jedes Jahr im Herbst in großen Trupps an unserer Küste ein – die Zwergschwäne aus der nordrussischen Tundra, die Singschwäne von Skandinavien und Island.

…dass ein Verwandter des Höckerschwans, der Tundraschwan (Cygnus columbianus), mit rund 25.000 Federn der Vogel mit den meisten Federn der Welt ist?!

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