Vögel

Schwimmvogel mit Punker-Frisur: Der Mittelsäger (Mergus serrator)

Immer seltener zu beobachtende Haarpracht

Entenpärchen mit zotteliger, auffällig nach hinten abstehender Haube schwimmen häufiger auf den Gewässern im Nationalpark. Schon aus der Entfernung, selbst im Gegenlicht, ist dieses untrügliche Merkmal der Mittelsäger erkennbar. Zu verwechseln sind Mittelsäger lediglich mit einem nahen Verwandten, dem Gänsesäger.


Mittelsäger sind durch ihren zerschlissenen Nackenschopf unverkennbar: links Männchen, rechts Weibchen

(Fotos: A. und E. Wilson, mit freundlicher Genehmigung www.naturespicsonline.com)

Der Mittelsäger besiedelt bevorzugt die stärker marin geprägten offenen Buchten und Boddengewässer, so dass Nistplätze an der offenen Festlandküste selten sind. Als Nistplatzwahl ist eine ausreichend dichte Vegetation, halbhöhlenartige Verstecke oder Erdhöhlen für den Vogel ausschlaggebend.
Bis Mitte der 80er Jahre konnte man den Mittelsäger häufig an unserer Küste beobachten. Die nachfolgenden Jahre waren jedoch durch einen gravierenden Bestandsrückgang gekennzeichnet, der hauptsächlich auf Prädatoren wie Füchse, Wildschweine und/oder Großmöwen zurückgeführt werden muss. Die Einbrüche sind auch im Nationalpark deutlich nachzuvollziehen: Von ehemals 181 festgestellten Brutpaaren im Jahr 1990 konnten 2010 nur noch 13 Nester gefunden werden. Die ehemals beliebten Brutgebiete des Nationalparks wie z.B. die Insel Heuwiese mit ihren hohen Meldegestrüppen beherbergten 2010 nur noch 2 Mittelsägerpärchen. 1990 waren es hingegen noch 110 Brutpaare! In Deutschland wurde der Bestand 2005 bundesweit mit 390-430 Brutpaaren angegeben.


Bestandszahlen des Mittelsägers von 1990 bis 2010 im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“.

Jagd in Gemeinschaft

Ihren Namen haben die Säger, zu denen neben dem Mittelsäger auch Gänse- und Zwergsäger zählen, von den sägeähnlichen Schnabelrändern, mit denen sie glitschige Beute gut festhalten können. Der stromlinienförmige Körper des Mittelsägers ist besonders gut geeignet, mit hoher Geschwindigkeit unter Wasser den Fischen nachzujagen. Dabei verwendet er, anders als andere Enten, sowohl Beine wie Flügel, um sich fortzubewegen. Normalerweise taucht der Mittelsäger etwa 30 Sekunden, bei Bedarf kann er aber wesentlich länger unter Wasser bleiben. Die Vögel bilden oft regelrechte Jagdgemeinschaften, in denen sie die Beutetiere unter Wasser in die Enge treiben.
Mittelsäger zeigen eine beeindruckende Gruppenbalz, die man schon am Ende des Winters beobachtet kann. Dabei halten die Männchen den Körper häufig merkwürdig gewinkelt und äußern niesende wie Schluckauf klingende Laute. Das Nest befindet sich meist am Boden und wird von dem Weibchen mit trockenen und grünen Pflanzenteile aus der nächsten Umgebung ausgepolstert. Im Mai bis Anfang Juni legt das Weibchen 5-12 gelbliche bis olivbraune Eier, die ungefähr 32 Tage bebrütet werden. Die Jungen werden bereits nach 1-2 Tagen von der Mutter zum Wasser geführt und von ihr noch weitere 8-9 Wochen betreut. Nach 2 Jahren können die Vögel eine eigene Familie gründen.

Wussten Sie schon...

…dass der Nationalpark einer der wenigen Orte auf der Welt ist, an denen Sie sowohl sommers wie winters Mittelsäger beobachten können?! Die heimischen Brutpaare ziehen zwar weg, aber dafür kommen Überwinterer aus Skandinavien und Sibirien.

…dass der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft am südlichen Rand des Verbreitungsareals des Mittelsägers liegt?! Seine Hauptverbreitung hat er in der subpolaren Tundra.

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