Vögel

Scharfer Blick und scharfe Krallen: Der Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Ordnung: Falconiformes (Greifvögel)
Familie: Accipitridae (Habichtartige)
Gattung: Haliaeetus
Gewicht: 3-7 kg
Länge: 74-92 cm
Nahrung: Fische, Wasservögel, kleine Säugetiere, Aas
Verbreitung: Südgrönland über das gesamte nördliche Europa und Asien bis an die Pazifik-küste
Überwinterung: fast in Gesamteuropa Standvogel
Gefährdung: Rote Liste Deutschland (2007); Rote Liste MV (2003): ungefährdet, Anhang I EU-Vogelschutzrichtlinie

Wohnsitz in sicherer Höhe

Das Wappentier Deutschlands, der Seeadler, ist die größte europäische Adlerart und siedelt immer in Wassernähe, so z.B. an großen Flüssen, Seen oder an der Küste. Zum Horstbau brauchen die Seeadler unbedingt alte und im wahrsten Sinne des Wortes “herausragend” hohe Bäume. Diese zu finden ist in forstlich bewirtschafteten Gebieten nicht immer einfach, so dass der Nationalpark mit seinen naturnahen Wäldern wichtige Brutareale darstellt. So brüten die meisten Seeadler des Nationalparks im Darßwald. Da selbst geringe Störungen an den Brutplätzen zum sofortigen Brutabbruch führen können, werden im Umkreis der Nester sog. Horstschutzzonen ausgewiesen, um die sehr störungsempfindlichen Adlerbruten zu schützen. Solche Horstschutzzonen gibt es auch außerhalb des Nationalparks. Hier kann es zu zeitweiligen Wegesperrungen kommen. Respektieren Sie daher bitte die Betretungsverbote dieser einzelnen Flächen im Nationalpark!

Noch in der Mitte des 19. Jhd. zählte der Seeadler zu den häufigeren Erscheinungen in Deutschland. Ab 1850 führten jedoch direkte Bejagung sowie Gelegeentnahmen, Vernichtung des Lebensraums und Vergiftung mit Pestiziden zu enormen Bestandseinbrüchen im gesamten Verbreitungsgebiet. So konnten 1910 kaum mehr als 15 Brutpaare in Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg verzeichnet werden. In den 1960er Jahren erreichte der Bestand seinen Tiefststand. Erst ab Mitte der 70er Jahre konnte sich der der Seeadler-Bestand in Mitteleuropa durch Horstbewachung und das Verbot des Insektizids DDT wieder erholen. In Deutschland wurde der Bestand 2005 bundesweit mit 494-500 Brutpaaren angegeben. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet davon 197 Brutpaare.

Gerangel in der Luft

Mit seinen über zwei Metern Flügelspannweite ist der Seeadler unverkennbar. Sie werden bei Ihrem Besuch im Nationalpark sicherlich mindestens einen entdecken können. Die Balzflüge der Tiere finden teilweise schon im Dezember, meist jedoch von Ende Januar an statt. Die Adler steigen dabei in große Höhen auf. Die Männchen fallen die Weibchen im Sturzflug an. Diese wenden sich auf den Rücken und wehren die Attacke mit ihren Fängen ab.

Nach dem Nestbau legt das Weibchen 1-2 weiße Eier, welche sie 35-40 Tage meist allein ausbrütet. Die geschlüpften Küken werden zunächst von der Mutter mit Beute gefüttert, die das Männchen heranträgt. Nach 4-5 Wochen sind die Jungen in der Lage, das Futter direkt vom Vater anzunehmen. Die Jungadler bleiben 80-90 Tage im Nest und betteln auch nach dem Verlassen des Horstes noch rund 5 Wochen nach Verpflegung. Erst mit 5-6 Jahren sind sie fähig, eine eigene Familie zu gründen.


Vom Jungvogel zum ausgewachsenen Adler (Fotos: J. Reich).

Im Nationalpark können Sie die ruhenden Adler oft in einiger Entfernung beobachten (Foto: J. Reich).

Gefährlicher Jäger

Auf den Bodden kann der Seeadler zum gefährlichen Jäger werden. In pfeilschnellem Flug stößt er hinab, um schwimmende Vögel zu ergreifen. Oft tauchen die Enten behände weg, aber zu einer erfolgreichen Flucht vor dem Seeadler gehört mehr. Denn der wartet einfach bis die verfolgte Ente wieder auftaucht und vollführt den Jagdangriff von Neuem. Solche Jagden können über eine halbe Stunde andauern – am Ende zieht die erschöpfte Ente oft den Kürzeren. Oftmals erbeutet der Seeadler die schwachen oder kranken Tiere und erfüllt damit eine wichtige biologische Funktion zur Gesunderhaltung der Populationen.
Im Allgemeinen bleibt sich der erfolgreiche Jäger treu: Je weniger Aufwand bei der Nahrungssuche, desto besser. So wird auch gerne Aas angenommen, denn keine andere Beute lässt sich so einfach ergattern. Wenn der Seeadler nichts findet, wird meist eine ausgiebige Rast auf einem Pfahl oder einer ungestörten Sandbank eingelegt. Eine richtige Ruhepause ist es nicht, denn der Adler beobachtet seine Umgebung genau. Wenn sich irgendwo eine günstige Gelegenheit zum Beute machen bietet, dann fliegt er auf und nutzt seine Chance. Aber auch diese besteht oft genug nur darin, einem anderen, kleineren Greifvogel oder einem Seevogel die bereits geschlagene Beute abzujagen. (s. a. Küstenvogelbrutgebiet “Heuwiese“)

Wussten Sie schon...

…dass der wissenschaftliche Name albicilla “Weißschwanz” bedeutet?! Achten Sie darauf, dann können Sie auch die Jungadler erkennen. Diese haben einen braunen Schwanz.

…dass die Vögel die Nester teilweise mehrere Jahre hintereinander nutzen und ständig ausbauen, so dass riesige Horste entstehen können?!

…dass Seeadler ständige Überwinterer im gesamten Küsten- du Boddenbereich sind?! Ihre Anzahl steigt mit sinkenden Temperaturen, da durch die großen Ansammlungen von Wasservögeln sowie winterbedingten verendeten Vögeln gute Nahrungsbedingungen herrschen.

…dass bis 1908 in Pommern Prämien für jeden abgeschossenen Seeadler gezahlt wurden?! Er wurde erst 1922 unter vollständigen Schutz gestellt.

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