Säugetiere

Verdrängter Ureinwohner:
– Kegelrobbe (Halichoerus grypus grypus)

Kegelrobben am Ufer

Ruheplätze am Ufer

Hätten Sie gedacht, dass Eindrücke wie auf dem Foto zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gehören? Die beiden Kegelrobben, die sich gemütlich am Ufer räkeln, genießen die Ruhe des Prerowstromes. Das ist ein beliebter Rastplatz, an dem Sie häufiger die Chance haben, einen Blick auf eine Robbe zu erhaschen. Aber auch anderswo im Nationalpark können Sie die Robben mit dem charakteristischen kegelförmigen Kopf beobachten, sofern Sie sich ruhig verhalten und eine angemessene Entfernung wahren.

Die Ufer des Prerowstroms sind ein exzellenter Rastplatz
für Kegelrobben. Aber bei Störungen flüchten die Robben sofort.
(Foto: Rasche)

Eisige Kindheit

Im Nationalpark halten sich in der Regel halbwüchsige Robben auf, die in den fremden Gewässern fern der Heimat etwas Lebenserfahrung sammeln wollen. Hier können sie sich in einer neuen Umwelt beweisen und “groß und stark” werden. Aber es gibt hier auch ausgewachsene Tiere. Die fischreichen Jagdgründe in den Boddengewässern sind gerade richtig, um nebenbei genug Zeit für gemütliche Sonnenstunden am Ufer zu lassen. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist eben auch für die Kegelrobben eine Art Urlaubsregion.
Die nächsten Vermehrungsplätze liegen meist etliche Hundert Kilometer entfernt. Auf dem Packeis der östlichen Ostsee kommen mitten im Winter die weißen Robbenbabys zur Welt. Seit dem Jahr 2018 ist belegt, dass es auch an der Küste von MV zu Geburten kam. Das weiße „Kinderfell“ (Lanugo) dient in erster Linie der Wärmeisolation. In der Ostsee haben sie keine natürlichen Feinde. Selten (und in Mecklenburg-Vorpommern sogar ausgerottet) ist die Kegelrobbe allein durch den Menschen. Jahrhundertelange Bejagung, die Verschmutzung des Meeres und die Zerstörung der Ruheplätze an den Küsten haben Kegelrobben bei uns zu bloßen Gästen werden lassen.

Rückkehr in die alte Heimat

In den letzten Jahren gibt es sichere Anzeichen, dass die Robbe vielleicht dauerhaft zurückkehren könnte. Trotz anhaltender Gefährdungen steigt der Bestand in der Ostsee wieder an. Nun ist es wichtig, den Tieren ausreichende Ruheplätze an der Küste zu erhalten. Wir wollen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft dazu beitragen – und Ihnen damit unvergessliche Robbenanblicke ermöglichen.

  • Kegelrobben kann man von Seehunden schon anhand ihrer Größe einfach unterscheiden. Sie sind doppelt so lang und bis zu dreimal so schwer.
  • 140 Meter Tiefe können Kegelrobben bei ihren bis zu 20 Minuten langen Tauchgängen erreichen.
  • Die Kegelrobben in der Ostsee gehören zu einer eigenen Unterart, die von den Robben in der Nordsee genetisch getrennt ist.
  • Die ausdauernden Schwimmer legen locker hundert Kilometer am Tag zurück; manche Wanderungen können über Tausende von Kilometern führen.
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