Säugetiere

Insel-Schafe:
- Mufflon (Ovis ammon musimon)

Mufflons
Mufflons in der südlichen Dünenheide.
(Foto: B. Blase)

Einwanderer aus Südeuropa

Mufflons sind echte Inseltiere. Die ursprüngliche Heimat dieser Wildschafe sind die Inseln Korsika und Sardinien im Mittelmeer. Bereits vor über 100 Jahren wurden in Mitteleuropa erste erfolgreiche Einbürgerungsversuche unternommen. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gibt es Mufflons nur auf der Insel Hiddensee. Eine Herde von etwa 30 Tieren durchstreift die südliche Dünenheide.
Nur 60 bis 80 cm Höhe erreichen ausgewachsene Mufflons. Mit Rehen oder gar Hirschen kann man sie also kaum verwechseln. Das Fell der Widder ist im Sommer fuchsbraun und im Winter wesentlich dunkler. Charakteristisch ist der grau- bis gelblichweiße Sattelfleck. Im Gegensatz zu den männlichen Tieren sind die Weibchen weniger farbig. Ein fahler Grauton ist hier meist vorherrschend.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Widder sind die Hörner, die bei den Weibchen nur sehr klein sind oder ganz fehlen. Das Hörnerwachstum des Muffelwildes unterscheidet sich wesentlich vom Geweihwachstum der Hirsche. Während der Rothirsch alljährlich sein Geweih abwirft, wachsen die Hörner der Mufflons stetig weiter. Bei ausgewachsenen Tieren kann man daher prächtige, lang gewundene Hörner beobachten.

Rivalenkämpfe

Während der Brunftzeit ab Oktober werden harte Rivalenkämpfe zwischen den Widdern ausgetragen. Auf den Hinterbeinen aufgerichtet, lassen sie sich mit ihrem gesamten Körpergewicht nach vorne fallen und stoßen mit den Hörnern in einem lauten, kilometerweit hörbaren Knall zusammen. Oder sie wählen die Variante für besonders harte Schädel: Zehn Meter Anlauf (für jeden) und dann der Knall. Nach mehrmaliger Attacke gibt der “Klügere” nach und sucht woanders nach einem brünstigen Weibchen. Die Kämpfe enden nur sehr selten mit Verletzungen oder gar tödlich. Sie können diese Kämpfe gut in der Dünenheide beobachten, vor allem wenn Sie früh am Morgen zur Stelle sind.

Kraftfutter

Mufflons ernähren sich vor allem von Gräsern, Kräutern und Gehölzen, aber auch Pilze und Früchte werden nicht verschmäht. Die Schafe sind Wiederkäuer. Nachdem bereits zwei Magenteile durchlaufen worden sind, wird die Nahrung noch ein zweites Mal zerkaut. Dann geht es für die endgültige Verdauung durch weitere zwei Teilmägen. Das komplizierte Verfahren ermöglicht die Unterstützung der Verdauung durch Mikroben. Diese werden im letzten Teilmagen einfach mitverdaut und bilden ein eiweißreiches (und absolut nicht vegetarisches) Kraftfutter.
Verwechseln Sie die Mufflons übrigens nicht mit den Gotlandschafen auf der östlich der Dünenheide gelegenen Fährinsel. Diese sehen zwar ebenfalls ziemlich urig aus, es sind aber bereits keine Wildschafe mehr, sondern es ist eine alte Kulturrasse. Dennoch trotzen sie erfolgreich Wind und Wetter, Sommers wie Winters.

Kurz und bündig
  • Mufflons sind für den Beobachter eine echte Herausforderung. Sie erkennen anders als Rehe oder Hirsche selbst unbewegt dastehende Menschen.
  • Mit Hausschafen können sich Mufflons kreuzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen.
  • Früh morgens können Sie die Mufflons beobachten, wie sie auf der Inselstraße ihre Hufe pflegen. Anders als in ihrer felsigen Urheimat nutzen sich auf dem weichen Boden Hiddensees die Hufe nicht genug ab. Die Folge sind Krankheiten, die sich leider auch mit Hilfe der Inselstraße nur unvollkommen kurieren lassen.
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