Küstenvogelbrutgebiete

Insel Liebitz

Moräneninsel mit langer Geschichte


Kleine Insel mit großer Vielfalt: die Liebitz im Kubitzer Bodden (Foto: F. Ruchhöft).

Die Insel Liebitz ist eine nur wenige Meter hohe und rund 41 ha große Moräneninsel im Kubitzer Bodden. Im 1. Jh. n. Chr. hat wahrscheinlich noch eine Landverbindung zu Rügen bestanden. Erstmals bekundet wurde “Werder Lypitze” 1386 in den Urkunden des Klosters Hiddensee. 1611 gelangte die Insel durch Verkauf aus Klosterbesitz an den Hof Ralow und ist seit 1994 in Privatbesitz. Heute gehört sie zur Gemeinde Dreschvitz.


Im hinteren Bereich der Insel befindet sich der heckendurchzogene Moränenkern, im vorderen die Salzgraslandflächen mit Tümpeln und Prielen (Fotos: S. Kreutzer).

Die Liebitz wird schon Jahrhunderte lang gezielt bewirtschaftet. Die höher gelegenen Flächen wurden dabei für die ackerbauliche Nutzung verwendet, während die überschwemmten Bereiche mit Weidetieren besetzt waren. Bis 1960/61 wurde Ackerbau betrieben, danach fielen die Flächen vermutlich brach. Die regelmäßige Düngung sowie gezielte Umbrüche und Wieseneinsaat auf den trockenen Flächen erfolgten von 1978 bis 1983 durch die ansässige landwirtschaftliche Genossenschaft. Ab 1986/87 setzte die Weidebewirtschaftung ein. Das Vieh wurde dabei über eine Furt von Rügen aus auf die Insel getrieben. Heute findet die Beweidung mit Schafen nur außerhalb der Brutkolonie statt.

Als wichtiger Brutplatz für Küstenvögel gilt der niedrig gelegene Ostteil, der etwa ein Drittel der Inselfläche ausmacht und bei Sturmfluten häufig überspült wird. Hier sind großflächig Salzweiden mit Tümpeln und Prielen entwickelt. Die Sicherung der Brutareale erfolgt durch eine einmalige Mahd vor der Brutsaison. Die nicht gemähten Röhrichtbestände sind Lebensraum für einige Singvogelarten wie z. B. den Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), der mit 6 Brutpaaren 2010 nachgewiesen werden konnte. Die Hecken werden besonders von den Grasmückenarten (Sylvia) angenommen, darüber hinaus brüten dort u. a. auch Singvögel wie Bluthänfling (Carduelis cannabina) und Buchfink (Fringilla coelebs) mit je 15 Brutpaaren (2010).

Derzeit brüten auf der Liebitz 16 verschiedene Seevogelarten. Eine Besonderheit ist die Sturmmöwenkolonie (Larus canus) – mit 250 Brutpaaren (2010) eine der größten in Mecklenburg-Vorpommern. Weiterhin wird die Liebitz auch von Gänsen und Enten als Brutgebiet genutzt. So ließen sich 2010 beispielsweise je 12 Brutpaare der Grau- und der Brandgans (Anser anser, Tadorna tadorna) verzeichnen, das größte Vorkommen der Entenartigen belegte mit 15 Gelegen die Schnatterente (Anas strepera), dicht gefolgt von Löffel- und Stockente (Anas clypeata, – platyrhynchos) mit je 10 Brutpaaren.


Brandgans (Tadorna tadorna) und Sturmmöwe (Larus canus) nutzen die Liebitz als Brutgebiet (Fotos: J. Reich).

Entwicklung der Anzahl von Brutpaaren


Entwicklung des Gesamtbrutbestandes (24 Arten) auf der Insel Liebitz von 1990 bis 2010.

Brutbestand der Sturmmöwe (Larus canus) auf der Insel Liebitz von 1990 bis 2010.

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