Küstenvogelbrutgebiete

Insel Heuwiese


Das typische Salzgrasland wird nur unregelmäßig überflutet (Foto: J. Reich).

Guano-Düngung schafft üppige Pflanzen

Die ca. 14 ha große Insel Heuwiese liegt etwa 2 km südlich von Ummanz. Sie stellt ein typisches, nur wenige Zentimeter über NN liegendes Salzgrasland der vorpommerschen Boddenküste dar und wird nur unregelmäßig überflutet. Der Name der Insel stammt von ihrer ursprünglichen Nutzung als Viehweide. Als Seevogelkolonie ist sie seit Mitte des 19. Jhd. bekannt und wurde 1939 offiziell als Brutstätte für Küstenvögel unter Schutz gestellt.

Bemerkenswert sind die großflächigen Meldengestrüppe im Zentralbereich der Insel. Diese nährstoffliebenden Pflanzen können sich dank der intensiven “Düngung” durch den Vogelkot so stark entwickeln. Das unterstreicht eindrücklich, wie groß die Anzahl der Vögel ist, die die Insel als Brut- und Rastgebiet nutzen.

Derzeit brüten auf der Heuwiese 17 verschiedene Vogelarten, so u.a. Silbermöwe (Larus argentatus) und Höckerschwan (Cygnus olor), die 2010 mit 285 bzw. 105 Brutpaaren vertreten waren. Entenvögel wie z.B. Mittelsäger (Mergus serrator) nutzen die hohen Melden als geschützten Brutplatz (s. a. Mittelsäger), die Bestände sind in den letzten 15 Jahren jedoch eingebrochen und weisen von ehemals 110 Brutpaaren 1990 nur noch 2 im Jahr 2010 auf. Die vegetationsfreien Bereiche der Insel werden von Flussseeschwalben (Sterna hirundo) angenommen – 2010 brüteten dort 46 Vögel.


Hohe Meldengestrüppe bieten Deckung suchenden Vögeln wie z. B. Silbermöwen (Larus argentatus) ideale Brutbedingungen (Fotos: links I. Stodian, rechts J. Reich).

Eine Besonderheit der Insel ist die große Kormorankolonie (Foto: J. Reich).

Eine Besonderheit der Insel ist eine Kolonie von Kormoranen (Phalacrocorax carbo). Normalerweise brüten die Vögel auf Bäumen. Auf der Heuwiese findet man jedoch eine ebenerdige Kolonie mit durchschnittlich 500 bis 1000 Nestern (2010: 620 Brutpaare), die zur Forschung hinsichtlich der Populationsentwicklung und des sozialen Verhaltens der Tiere ideal geeignet ist.

Obwohl der Kormoran in erster Linie häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ (z.B. Rotauge, Brachse) erbeutet, wurde er – wie unzählige andere fischfressende Vogelarten – Jahrhunderte lang verfolgt. Zu Beginn des 20. Jhd. war er in Folge dessen nahezu ausgerottet und erst Anfang der 1980er Jahre ermöglichte die EU-Vogelschutzrichtlinie einen konsequenten Schutz. Der Bestand konnte sich erholen und große Teile des ehemaligen Verbreitungsgebiets wurden wiederbesiedelt. Nach einem rasanten Bestandsanstieg zwischen 1980 und 1990 haben sich heute in den meisten Gebieten Mitteleuropas die Brutpaarzahlen stabilisiert.

Wie fast jede Vogelart hat auch der Kormoran natürliche Feinde, die die Bestandssituation erheblich beeinflussen. Auf der Heuwiese konnten solche Einflüsse durch Vogelwärter gut dokumentiert werden: Seeadler (Haliaeetus albicilla) entwickelten beispielsweise eine neue Jagdstrategie, indem sie den Altvögeln die Beute abjagen. Das Herauswürgen des Fisches ist die einzige Chance des Kormorans, den scharfen Krallen des Greifvogels zu entfliehen. Die hohe Nestdichte führt zwangsläufig zu Streitereien zwischen den brütenden Vögeln – so auch auf der Heuwiese zu beobachten: Nistmaterial wird systematisch für die Aufschichtung des eigenen Nestes entwendet, Eier des Nachbarn aus dem Nest geworfen.

Durch den Einfluss von Prädatoren und die intraspezifische Konkurrenz konnte zweifelsfrei bewiesen werden, dass sich der Bestand also auf natürliche Weise reguliert.


Natürliche Bestandsregulation durch natürliche Feinde und intraspezifische Konkurrenz (Fotos: J. Reich).

Entwicklung der Anzahl von Brutpaaren


Entwicklung des Gesamtbrutbestandes (29 Arten) auf der Insel Heuwiese von 1990 bis 2010.

Brutbestand des Kormorans (Phalacrocorax carbo)auf der Insel Heuwiese von 1991 bis 2010.

Brutbestand von Mittelsäger (Mergus serrator), Stockente (Anas platyrhynchos) und Reiherente (Aythya fuligula) auf der Heuwiese von 1990 bis 2010.

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