Küstenvogelbrutgebiete

Neuer Bessin

Neues Land mit seltenen Vögeln

Der Bessin ist eine Halbinsel, die sich an den Dornbusch auf Hiddensee anschließt und erst innerhalb der letzten tausend Jahre entstanden ist. Er ist eines von vielen Beispielen für die küstendynamischen Prozesse, die sich im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft jeden Tag abspielen. Schnell fortschreitende Sedimentationsprozesse lassen dort immer wieder neue Sandbänke, Sandhaken und Strandwälle entstehen. Historische Karten und alte Luftbilder zeigen, dass der Neue Bessin – eine immerhin 3 Kilometer lange Landzunge – erst in den letzten 100 Jahren gewachsen ist, der Zuwachs beträgt auch heute noch rund 30 m pro Jahr. Er stellt somit den jüngsten Teil Hiddensees dar.


Die genauen Bedingungen, unter denen sich die Haken gebildet haben und immer noch bilden, kann man anhand von Karten ziemlich genau rekonstruieren.

Der Alte und Neue Bessin von Hiddensee: Neuland im ständigen Wandel (Foto: links S. Kreutzer, rechts Th. Grundner).

Der Bessin ist unbewohnt und liegt in der Schutzzone I des Nationalparks, darf also aus naturschutzfachlichen Gründen nicht betreten werden. Die vegetationslosen Sandflächen sind das letzte wichtige Brutgebiet für die Vögel der Strände und Strandwälle im Nationalpark. Derzeit brüten auf dem Neuen Bessin und den Windwattflächen vor der Halbinsel 14 verschiedene Vogelarten. Besonders kennzeichnende Arten der Brutvogelfauna sind Zwerg- und Flussseeschwalbe (Sterna albifrons, – hirundo), die mit 60 bzw. 33 Brutpaaren im Jahr 2010 die vegetationsfreien Sandflächen nutzten, bevor sie mit ihren Jungen den weiten Weg in die Überwinterungsgebiete antraten.


Die störungsarmen Sandflächen mit guter "Rundum-Sicht" des Neuen Bessins bieten den Zwergseeschwalben (Sterna albifrons) seit Jahren gute Brutbedingungen. Eine perfekte Tarnung von Gelege, Alt- sowie Jungtier sichert dabei das Überleben (Fotos: J. Reich).

Weitere charakteristische Bewohner der Halbinsel sind die 50 – 60 Brutpaare des Säbelschnäblers (Recurvirostra avosetta), dessen Bestand sich seit 2005 mehr als verdoppelt hat. Auch 15 Nester des Sandregenpfeifers (Charadrius hiaticula) und 7 Gelege des Austernfischers (Haematopus ostralegus) konnten 2010 auf dem Neuen Bessin gefunden werden.

Auch für den Vogelzug sind die Windwattbereiche – so also auch die des Neuen Bessins – von immenser Bedeutung, da sie eine bedeutende Nahrungsgrundlage und störungsfreie Ruheflächen bieten. So sind große Schwärme von beispielsweise Alpenstrandläufern (Calidris alpina), Kiebitzen (Vanellus vanellus) und Goldregenpfeifern (Pluvialis apricaria) nicht selten.


Unzählige Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) und Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) nutzen den Neuen Bessin als Brutgebiet (Fotos: J. Reich).

Zu Zeiten des Vogelzugs kann man auf den Windwattflachen des Neuen Bessins große Schwärme von Zugvögeln beobachten (Foto: I. Stodian).

Entwicklung der Anzahl von Brutpaaren


Entwicklung des Gesamtbrutbestandes (28 Arten) auf dem Neuen Bessin von 1990 bis 2010

Bestandsentwicklung der Zwerg- und Flussseeschwalbe (Sterna albifrons, -hirundo) auf dem Neuen Bessin von 1983 bis 2010.

Brutbestand von Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta), Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) und Austernfischer (Haematopus ostralegus) auf dem Neuen Bessin von 1990 bis 2010.

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