Flora und Vegetation

Zeuge der Geschichte:
- Wacholder (Juniperus communis)

Wacholderbestand auf der Fährinsel
Wacholderbestand auf der Fährinsel
(Foto: H. Sporns)

Schattenspender der Schäfer

So mancher Naturfreund kennt Wacholder nur aus mehr oder weniger ansehnlichen Vorgärten und kann sich allenfalls noch die Lüneburger Heide als typischen Wacholder-Wuchsort vorstellen. Aber der Wacholder ist viel weiter verbreitet. Zumeist ist er ein Relikt alter Wirtschaftsformen. Ausgedehnte wacholderbestandene Heiden entstanden zu einer Zeit, als das Vieh auf den Weiden gehütet wurde. Der Wacholder wurde nur sehr ungern gefressen, und deshalb blieb er stehen und konnte aufwachsen. Die Hirten holzten zwar so manchen Wacholder als Weideunkraut ab, aber einige ließen sie als allzeit schattenspendende Gehölze doch stehen. Außerdem liefert der Wacholder ein wertvolles Drechsel- und Schnitzholz, und allein deswegen wollte man einige Wacholderbüsche alt werden lassen.

Das Ende der Wacholder-Ära

Spätestens die Erfindung des Stacheldrahts machte das Hüten des Viehs überflüssig. Die Einfuhr billigen Tropenholzes und der Ersatz vieler kunstvoller Drechselarbeiten durch Kunststoffprodukte ließen das Holz des Wacholders stark an Bedeutung verlieren. Heute werden die Viehweiden gedüngt und viele werden alle paar Jahre umgebrochen und neu eingesät. Der Wacholder hat auf solchen Flächen keine Chance. In der Kulturlandschaft sind wild wachsende Wacholderbüsche daher vielerorts völlig verschwunden.

Selten geworden

Auf trockenen Felsbändern Süddeutschlands ist der Wacholder immer noch eine regelmäßige (wenn auch insgesamt seltene) Erscheinung. In Norddeutschland gibt es nur wenige Naturstandorte. Einer davon befindet sich im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. An der wachsenden Spitze des Darß und den jungen, lichtdurchfluteten Bereichen des Darßwaldes stehen Wacholderbüsche vermutlich schon seit Jahrtausenden. Die Wacholderbestände im südlichen Darßwald sind wiederum menschlich bedingt. Ohne eine menschliche Übernutzung und Auflichtung des Waldes hätten sie dort nicht aufwachsen können. Die Wacholderbestände auf der Fährinsel erinnern ein wenig an die alten, wacholderbestandenen Weidelandschaften. Heute weiden auf der Insel frei laufende Gotlandschafe.

Kurz und bündig
  • Das Holz wird wegen seiner Dauerhaftigkeit und Elastizität hoch geschätzt.
  • Im Mittelalter war der Wacholder eines der wichtigsten Gewächse in Heilmedizin und Brauchtum.
  • Die “Beeren” des Wacholders sind eigentlich, wie bei Nadelbäumen üblich, Zapfen. Sie reifen erst im zweiten oder dritten Jahr nach der Bestäubung.
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