Flora und Vegetation

Würger im Pflanzenreich:
- Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea)

Nelken-Sommerwurz in Blüte
Die Nelken-Sommerwurz am Steilufer des Dornbusch.
(Foto: J. Schmiedel)

Nährstoffdieb

Auf den mageren Rasen und Säumen des Dornbuschhochlandes und des Bessins blüht in den ersten Junitagen eines der besonders seltsamen Gewächse unserer Flora. Nicht grün, sondern braun ist diese Pflanze, die Nelken-Sommerwurz. Doch wie geht das? – brauchen doch alle Pflanzen das Blattgrün für die Assimilation und damit für ihr Überleben. Die Nelken-Sommerwurz führt ein für menschliche Maßstäbe nicht besonders ehrliches Leben. Sie stiehlt sich die notwendigen Assimilate auf Raubzügen, die sie mit ihren Wurzeln unternimmt. Als “Würger im Pflanzenreich” wurde sie schon vor vielen Jahrzehnten deswegen betitelt.

Der Täter

Der Nährstoff-Klau der Sommerwurz ist eine Anpassung an Trockenheit und ein geringes Nährstoffangebot im Boden. Wenn man an derartigen Standorten als Pflanze überdauern möchte, empfiehlt sich entweder ein ausgedehntes, weitverzeigtes Wurzelsystem, mit dem ausreichend Wasser und Nährstoffe aufgenommen werden können. Oder man wird Parasit und spart sich die aufwendige Wurzelbildung.

Die Opfer

Die Nelken-Sommerwurz ist in der Wahl ihrer Wirtspflanzen nicht allzu wählerisch. Über zehn verschiedene Pflanzenarten gehören zum Kreis ihrer Nährstofflieferanten. In Mecklenburg-Vorpommern ist es meist das leuchtend gelb blühende Echte Labkraut, das der Sommerwurz zum Opfer fällt. Nahe Verwandte unserer Nelken-Sommerwurz sind oft auf eine einzige Wirtsart spezialisiert. Der Preis für eine derart wählerische Lebensweise ist hoch. Ein Großteil von ihnen ist heute in Mecklenburg-Vorpommern mangels Wirtspflanzen und geeigneter Lebensräume ausgestorben oder steht kurz vor diesem Schicksal. Von den ehemals neun Sommerwurz-Arten Mecklenburg-Vorpommerns mag die Nelken-Sommerwurz die einzige sein, die wir auch in einigen Jahren noch bestaunen können.

Der Lebenslauf

Selbst viele Botaniker halten die Nelken-Sommerwurz irrtümlich für eine einjährige Pflanze. Den Hauptteil ihres mehrjährigen Lebens verbringt die Sommerwurz für den Menschen unsichtbar unter der Erde. Nach der Keimung entsteht dort an der Wirtswurzel zunächst ein kleines, knöllchenartiges Gebilde, das einige Jahre überdauern kann. Dann erst wächst dieses sogenannte Haustorium zu einer blühenden Pflanze aus, deren Pracht in der Tat schon nach einem einzigen Sommer vorbei ist.

Kurz und bündig
  • Die Nelken-Sommerwurz braucht zu ihrem Gedeihen basenreiche (d.h. meist kalkreiche) Böden. Die Abbruchkanten des Dornbusch und der Bessin als Anlandungsgebiet liefern ideale Bedingungen für die Nelken-Sommerwurz
  • Auch wenn die Nelken-Sommerwurz aussieht wie eine Orchidee und auch oft dafür gehalten wird: Die verwandtschaftlichen Bande zwischen diesen Pflanzen sind dünn.
  • Die Sommerwurz ist ein Parasit, aber kein Mörder. Ihre Wirtspflanzen bringt sie nicht um.
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