Flora und Vegetation

Aus der Vergangenheit eines Küchenkrautes:
- Sellerie (Apium graveolens)

Sellerie im Röhricht
Unscheinbar, aber würzig: Die seltene Wildform des Selleries kommt in schütteren Röhrichten des Nationalparks vor.
(Foto: J. Schmiedel)

Würze der Ostseeküste

Würden Sie weitab von Äckern und Gemüsegärten, unmittelbar am schlammigen Ufer der Ostsee und oft im einige Zentimeter tiefen Salzwasser stehend, ein üppig wachsendes Küchengemüse vermuten? Wenn Sie an einem Salzgrasland einen würzigen Selleriegeruch in der Nase verspüren sind Sie ganz nah dran an dem Erlebnis, einen der Stammgäste in Ihrem Gemüseladen auch einmal in freier Wildbahn bestaunen zu können.
Ein Doldenblütler, verwandt mit Möhre, Kerbel, Fenchel oder Dill, das ist der Sellerie. Eine typische Pflanzenart unserer Meeresküsten. Die meisten anderen Pflanzen würden auf derartig salzhaltigen Standorten sofort verkümmern. Nicht so der Sellerie. Er gedeiht prächtig, bildet seine verzweigten, weißen Blütendolden aus und entwickelt seine rundlichen, kräftig grünen Samen. Diese sind schwimmfähig und werden vom Wasser verdriftet. Daher ist der Sellerie für seine Verbreitung stark an die jährlichen Überflutungen gebunden.

Geschätzt und gezüchtet

Der Sellerie ist bereits in der Steinzeit ein beliebtes Gemüse gewesen. Auch die in Bezug auf die Sellerie-Ernte benachteiligten Binnenlandbewohner wollten nicht ohne ihn leben. Schon früh haben unsere Vorfahren die Pflanze daher in Kultur genommen und überall in Gärten kultiviert. Im Verlaufe der Züchtungsarbeit von vielen Jahrhunderten sind aus den zarten Selleriepflänzchen unserer Küste klobige Knollenselleries geworden.

Gemüseladen verhindert Verbrechen

Zum Sammeln für den Kochtopf ist unser wilder Sellerie heute viel zu selten, und es wäre daher fast ein Verbrechen, die wenigen an unseren Küsten verbliebenen Pflanzen einfach abzuernten. Denn während der Gemüse-Sellerie in deutschen Küchen bekanntlich ausgesprochen häufig ist, fristet die wilde Stammform ihr Dasein als vom Aussterben bedrohtes Gewächs. Zu viele Strandwiesen sind trockengelegt, zu viele Röhrichte eingedeicht worden. Um zu überleben braucht der Sellerie nun einmal die regelmäßigen Überflutungen. Und außerdem meist etwas, mit dem er auch in der Küche regelmäßig Bekanntschaft macht: Salz.

Kurz und bündig
  • Der Sellerie kommt, trotz seiner Seltenheit in Mitteleuropa, heute in weiten Teilen der gemäßigten Breiten wild vor. Es handelt sich allerdings meist um verwilderte Kulturvarietäten.
  • Der Sellerie ist auch für die Rinder im Nationalpark ein beliebtes Gemüse. Deswegen kommt er auf beweideten Salzgrasländern fast nicht vor und ist auf unbeweidete Ufer angewiesen.
  • Die Überdüngung der Boddengewässer ist maßgeblich für die Seltenheit des Selleries verantwortlich, weil durch das bessere Nährstoffangebot höherwüchsige Uferpflanzen begünstigt werden, die den Sellerie überwuchern.
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