Wirbellose Tiere

Dicker Brocken mit wildem Jugendleben:
- Ölkäfer (Meloe violaceus)

Ölkäfer
Im Mai sieht man die Ölkäfer vielerorts im Nationalpark.
(Foto: J. Schmiedel)

Bernstein als Giftklumpen

Im Mai – noch vor Beginn der touristischen Hauptsaison – sitzen vor allem auf Hiddensee große, auffällig bläulich schimmernde Käfer in der niedrigen Pflanzendecke. Sie müssen sich nicht vor Fressfeinden tarnen, denn sie enthalten ein starkes, auch beim Menschen wirksames Gift. Beim genauen Betrachten der Käfer können Sie oft kleine bernsteinfarbige (und gifthaltige) Öltröpfchen an den Beingelenken erkennen. Sie haben den Tieren zu ihrem Namen “Ölkäfer” verholfen und gewährleisten, dass schon beim bloßen Berühren des Käfers eine geringe Menge Giftstoff übertragen werden kann. Der Käfer muss also dafür nicht erst zerkaut werden.

Umtriebige Jugend

Das relativ gefährdungsarme Leben als erwachsenes Tier hat sich der Ölkäfer redlich verdient, denn seine Jugend ist umtriebig, abenteuerlich und gefährlich.
Die Weibchen legen ihre Eier in selbst gegrabene Höhlen an trockenen Bodenstellen ab. Erst nach einem Jahr schlüpfen die Larven, die schnurstracks auf eine naheliegende Blüte klettern. Nahrung finden sie dort nicht. Stattdessen warten sie. Falls eine Nektar oder Pollen sammelnde Wildbiene vorbei kommt ist die Sekunde der Ölkäferlarve gekommen: Blitzschnell klammert sie sich an der Biene fest und lässt sich nach einem Flug von Blüte zu Blüte zum Nest der Biene tragen. Hier ist absolute Präzisionsarbeit gefordert. Just wenn die Biene in einer offenen Wabe ein Ei ablegt muss sich die Ölkäferlarve fallen lassen. Landet sie im klebrigen Honigbrei ist das ihr Todesurteil. Die erfolgreiche Larve jedoch trifft das Bienenei, frisst dieses und wandelt sich nach einer Häutung zu einer madenartigen Larvenform. Sie ist vorzüglich daran angepasst im Honigvorrat zu baden und ihn nach und nach zu verzehren. Dick ausgewachsen durchbricht sie schließlich die Wabe und kriecht in den Erdboden. Hier entwickelt sie sich zum fertigen Käfer. Im Frühjahr klettert dieser an die Oberfläche und muss sich nun nur noch ausfärben und erhärten.

Kurz und bündig
  • Weil die an den Bienen hängenden Larven den erwachsenen Käfern völlig unähnlich sehen wurden sie selbst von kundigen Zoologen früher als eigene Art angesehen – als Bienenlaus.
  • Was den Griechen der Schierling, war den Sizilianern der Ölkäfer. Ein Trunk aus den gifthaltigen Käfern hat bereits vor den Zeiten von Mafia und Camorra störende Konkurrenten erfolgreich aus dem Weg geräumt.
  • In kleinen Dosen hat das Gift des Ölkäfers eine heilsame Wirkung. Über Jahrhunderte wurde es gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt.
  • Ohne eine Blüte in unmittelbarer Nähe haben die Ölkäfer keine Möglichkeit, eine Biene zu finden. Deshalb gibt es Ölkäfer nur auf blütenreichen Flächen wie dem Dornbusch oder dem Alten Bessin, nicht aber auf landwirtschaftlichem Intensivgrünland.
  • Ölkäfer benötigen als Wirte einzeln lebende (solitäre) Bienen. Die staatenbildenden Honigbienen sind als Wirte ungeeignet.
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