Vögel

Braune Kappe: Die Lachmöwe (Larus ridibundus)

Ordnung: Charadriiformes (Regenpfeiferartige)
Familie: Laridae (Möwen)
Gattung: Larus
Gewicht: 195-400 g
Länge: 35-38 cm
Nahrung: Fische, Krebstiere, Würmer, Aas
Verbreitung: von Irland bis nach Sibirien über das Kaspische Meer und die Ostsee
Überwinterung: teilweise Standvogel, Überwinterung in südlicher gelegenen Gebieten
Gefährdung: Rote Liste Deutschland (2007): ungefährdet; Rote Liste MV (2003): 3 (gefährdet), Anhang II/2 EU-Vogelschutzrichtlinie

Gemeinsam sind sie stark

Die ersten Vögel kehren bereits Ende Februar an die Brutplätze zurück. In den Kolonien, die sich in Sümpfen, Mooren oder auf Dünen befinden, herrscht reges Treiben und die Balz besteht aus charakteristischen zeremoniellen Bewegungen und Scheinattacken. Das Nest wird von beiden Partnern aus Schilf, Ried, Gräsern und Wurzeln errichtet – die älteren Vögel bauen dabei im Inneren der Kolonie, während die Jüngeren, die später den Nistplatz erreicht haben, genötigt sind, sich am Rand der Möwensiedlung niederzulassen. Von Mitte April bis Mitte Mai legen die Weibchen 2-3 grünbraune bis braunschwarze und violett gesprenkelte Eier. Beide Partner brüten abwechselnd 22-24 Tage, bis die braunrot bedunsten Küken schlüpfen. Sie werden mit 35-42 Tagen flügge und bleiben bis dahin im ca. 1 m2 großen Revier der Eltern.


Charakteristisch ist im Brutkleid der braune Kopf. Im Winter fehlt die braune Kappe, doch durch ihre Größe und den deutlichen schwarzen Ohrfleck sind sie gut von anderen Möwen zu unterscheiden (Fotos: S. Kreutzer).

Bestandseinbruch

Die Lachmöwe ist eine der bekanntesten Bewohner unserer Küste und kann leicht am Strand beobachtet werden. Doch der Schein trügt: Kaum eine andere Vogelart hat einen so deutlichen Bestandsrückgang erlitten. Durch verbesserte Nahrungsbedingungen sowie Schutz der Brutkolonien konnte bis zur Mitte des 20. Jhd. noch Bestandszunahmen verzeichnet werden, bereits Ende der 80er Jahre ist dieser Trend jedoch negativ. Auch in den Küstenvogelbrutgebieten des Nationalparks sind die Bestandsänderungen deutlich sichtbar: Von ehemals 15.000 Brutpaaren im Jahr 1990 konnten 2010 nur noch 1985 Brutpaare beobachtet werden. Die Besiedlung traditioneller Brutgebiete wie z.B. die der Insel Heuwiese ist zudem komplett erloschen. Einzig die Inseln Kirr und Barther Oie werden von den zierlichen Vögeln noch besiedelt.


Die Insel Kirr beherbergt eine der letzten großen Lachmöwenkolonien im Nationalpark (Foto: J. Reich).

Der starke Rückgang sowohl im Binnenland als auch an der Küste wird durch eine Vielzahl von Faktoren bedingt. Als eine Ursache werden die Veränderungen der Landwirtschaft und der Küstenfischerei und der damit einhergehende Mangel an Jungvogelnahrung angesehen. Darüber hinaus hat besonders der Prädationsdruck durch Fuchs, Mink und Wildschwein zu einer Abnahme des Lachmöwenbestandes beigetragen. In Deutschland wurde der Bestand 2005 bundesweit mit 140.000-150.000 Brutpaaren angegeben. Der Rückgang des Bestandes von Mecklenburg-Vorpommern beträgt darüber hinaus in den letzten 20 Jahren über 50 %, so dass sie den Gefährdungsgrad 3 nach Roter Liste erhielt.


Bestandszahlen der Lachmöwe von 1990 bis 2010 im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“.


Wussten Sie schon...

…dass der wissenschaftliche Name ridibundus „mit lachender Stimme“ bedeutet, obwohl die Rufe der Vögel gar nicht so klingen?!

…dass sich der deutsche Name sich vielleicht von „Lache“ (Pfütze, flaches Gewässer) ableitet, da die Vögel bis zum Ende des 19. Jhd. meist nur an Seen im Binnenland brüteten?!

…dass der Beuteraub bei anderen Vögeln eine wichtige Futterquelle der Lachmöwe ist?!

…dass auch heute noch Lachmöweneier für Speisezwecke gesammelt werden?!

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