15 Jahre Nationalpark

Teil 9: Neue Herausforderungen

In den zurückliegenden Jahren stieg die Zahl der Besucher in der Region zwischen Darß, Zingst, Hiddensee und Westrügen stetig an. So wurde es 1999 höchste Zeit sich über Umfang und Inhalt der Angebote Gedanken zu machen. Statt vorher 12 bietet das Nationalparkamt jetzt 19 Führungen pro Woche an. Die Vielfalt der Themen hat sich erhöht, vor allem wird der Boddenküste mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch Sonderführungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wie in den Vorjahren findet im Januar die Mittwinterzählung der Wasservögel in Teilen des Nationalparks als öffentliche Führung statt. Unter Anleitung eines Nationalparkmitarbeiters erfassen Besucher die Vögel auf den großen Wasserflächen der Darß-Zingster- und Westrügener Boddenkette, sowie die auf den offenen Ostseeflächen. Zum Nationalparktag, der mit Veranstaltungen in unterschiedlichen Orten begangen wird, gesellt sich eine neue Großveranstaltung, eine für den gesamten Nationalpark, hinzu.

Und das kam so

1909 waren in Schweden neun Nationalparke eingerichtet worden – die ersten in Europa – alle an einem Tag, alle am 24. Mai. Jetzt, nach 90 Jahren, erklärt die Föderation Europarc, die Dachorganisation der Natur- und Nationalparke Europas, diesen Tag zum “Europäischen Tag der Parke.”


Reges Treiben auf dem Borner Markt
(Foto: H.Sporns)

Festlich sollte der Tag begangen werden, sollte aber eine eigene Spezifik aufweisen.
Was wäre dem angemessen?
Wandern? – Das kann man sonst auch.
Feiern? – Möglich, Zahl der Teilnehmer ist begrenzt.
Vortrag oder Vorlesung? – Veranstaltung für ausgewähltes Publikum, weniger für die breite Masse.
Gerade aber die breite Masse soll an diesem Ereignis teilhaben: Menschen, die hier leben und arbeiten, Menschen, die Urlaub machen, Erwachsene genauso wie Kinder.
Ein regionaler Markt? – Das wäre es: vorführen und anbieten, zuhören und zuschauen, betrachten und selber machen, Angebote für jedermann und jede Altersgruppe.
Am 29. Mai 1999 findet der erste Borner Markt statt, eine Gemeinschaftsveranstaltung von Nationalparkamt, Gemeinde Born sowie Kur und Tourist-GmbH Darß. Künstler, Handwerker, Landwirte … nehmen aktiv teil.

Freude und Überraschung

Der Nationalpark ist ein Besuchermagnet – so das Fazit der Teilnehmer an der diesjährigen öffentlichen Saisonauswertung. Im Nationalpark sind Landschaft und Natur unverfälscht und natürlich zu erleben.
“Ein Nationalpark ist die Adelung einer Landschaft” sagt Rainer Feit, erster Beigeordneter im Landkreis Rügen, während der Eröffnung einer Nationalparkausstellung in Waase auf der Insel Ummanz.
Am Darßer Ort wird der Rundwanderweg um 300 m verlängert. Damit können Besucher trockenen Fußes durch den nahen Erlenbruchwald gehen.
Der Sommer ´99 wird warm und trocken. Am 6. August wird für Darß/Zingst die Waldbrandstufe III – für hier die höchste Stufe – ausgerufen. ADN meldet: “Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft auf dem Darß und Zingst ist wegen der anhaltend hohen Brandgefahr gesperrt worden. Wie die Leitstelle Nordvorpommern der Feuerwehr in Grimmen mitteilte, ist das Betreten des Nationalparkgeländes nicht mehr oder nur auf ausgewählten Wegen möglich … Zugangswege zum Strand … werden jedoch weiter offen gehalten.” Glücklicherweise setzt wenige Tage später Regen ein.
September/Oktober – Zeit der Hirschbrunft. Im Darßwald wird eine Wildbeobachtungshütte eröffnet; pro Woche findet eine Führung zur Beobachtung der Hirschbrunft statt. Inzwischen sind es bereits drei Führungen pro Woche. Und, wenn es nach den Teilnehmern ginge, könnte täglich gegangen werden. Etwas Ruhe muss man den Tieren aber wohl doch lassen.
Ende 1999 ist Start für den Umbau der Alten Schule in Wieck zum Umweltzentrum des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, zur Darßer Arche. Im November schließt die Nationalparkausstellung.


"Anatol" hat Mikado gespielt
(Foto: A.Schlabs)

In der Nacht vom 3. zum 4. Dezember wütet schwerer Sturm an der Küste von M-V. Dächer werden abgedeckt, Häuser und Autos beschädigt – auch um den Nationalpark macht “Anatol”, wie er genannt wird, keinen Bogen. Im Bereich Darß-Zingst werden ca. 10.000 m3 Holz geworfen; 750 m3 fallen auf der Insel Bock und auf dem Bug. Der Sturm verursacht vorrangig Einzelwürfe. An einigen Stellen kommt es zu flächigen Windwürfen. Dort hat “Anatol” Mikado gespielt, hat Bäume kreuz und quer zu Boden geworfen.

Autor: Dr. H. Konow

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