Die Geschichte der Landschaft

Schwedische Matrikelkarte
Der Dornbusch zu Beginn des 18. Jahrhunderts: Ausschnitt aus der schwedischen Matrikelkarte, der ersten detaillierteren kartographischen Darstellung des Nationalparkgebietes

Landwirtschaft nur nebenbei

Das Gebiet des Nationalparks ist spätestens seit dem frühen Mittelalter dauerhaft besiedelt. Bereits im 12. Jahrhundert finden im Zuge der deutschen Ostkolonisation umfangreiche Waldrodungen statt. Mit der einsetzenden Beweidung der Küstenüberflutungsmoore entstehen im Hoch- und Spätmittelalter die noch heute landschaftsprägenden Salzweiden an den Boddenufern auf Standorten, die zuvor vom Wald, vor allem aber von Röhrichten bewachsen waren.

Die Landwirtschaft ist lange Zeit auf den Inseln und Halbinseln des Nationalparks überwiegend nur ein Nebenerwerb zu Fischerei und Seefahrt. Angesichts der überwiegend für den Ackerbau nur schlecht geeigneten Standorte und der insgesamt schlechten Erreichbarkeit wird sich das auch in den folgenden Jahrhunderten nicht ändern. Entsprechend gering ist der Drang, die Landschaft für landwirtschaftliche Zwecke umzugestalten. Lediglich die Waldrodung schreitet weiter voran, Holz ist als Brennstoff und für den Schiffbau begehrt. Noch im 18. Jahrhundert haben die Wälder auf Darß und Zingst aber eine größere Ausdehnung als heute. Sie reichen zu dieser Zeit vielerorts noch bis an die Boddenufer. Auf Hiddensee und Ummanz herrscht jedoch bereits ein akuter Holzmangel. Als Brennstoff wird hier – wie später auch auf Darß und Zingst – Torf gestochen.

Erst im 19. Jahrhundert beginnt der Bau von Entwässerungsgräben, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch von kleineren Deichen. Ab 1870 werden Sundische Wiese und Ummanz eingedeicht und der Prerowstrom wird zur Ostsee hin geschlossen. Der Fang von Seefischen im Bodden ist nun kaum mehr möglich. Die Armut auf dem Darß wächst; ein regionaler Bevölkerungsrückgang ist die Folge. In den neu entstandenen Poldern ist die Landwirtschaft aufgrund lang andauernder Staunässe kaum profitabel. Der Bau von Windschöpfwerken verbessert die Situation, kann die durch den Deichbau verursachten Probleme jedoch nicht völlig lösen.

Aufschwung des Tourismus

Zum Anbruch des 20. Jahrhunderts begrüßt man schon regelmäßig Touristen auf Darß und Zingst. Ein lang anhaltender Aufschwung des Fremdenverkehrs bringt den in der heutigen Nationalparkregion wohnenden Menschen eine neue Einkommensquelle, die die schwindenden Erträge aus Schiffbau, Schifffahrt und Fischfang ersetzen kann.

In den 60er und 70er Jahren wird mit komplexen Meliorationsmaßnahmen die Landschaft für eine industriemäßige Rinderproduktion umgestaltet. Großflächige und tiefgreifende Landschaftsveränderungen finden vor allem auf Darß und Zingst statt, aber auch auf Ummanz werden große Flächen umgebrochen und entwässert. Nicht ganz so einschneidend sind die Meliorationsmaßnahmen auf Hiddensee. Zeitweise bewirtschaftet ein einziger landwirtschaftlicher Betrieb annähernd die gesamte Fläche des Nationalparks – vom Fischland bis nach Westrügen. Gülle- und Abwassereinleitungen aus der industriellen Landwirtschaft belasten die Boddengewässer stark. Nach den mittelalterlichen Rodungen markiert die Melioration der offenen und halboffenen Landschaften auf Darß/Zingst und Ummanz für die industriemäßige Rinderaufzucht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den größten Landschaftswandel in der Region.

Trotz der Melioration sind natürliche und naturnahe Landschaftsausschnitte erhalten geblieben. Zahlreiche seit 1957 ausgewiesene Naturschutzgebiete haben natürliche und naturnahe Landschaftsteile gesichert. Mit der Ausweisung des Nationalparkes und der Wiedervereinigung fand die intensive Landbewirtschaftung ein Ende. Die meliorierten Flächen werden extensiviert und in einen naturnäheren Zustand überführt, einige sollen vollständig aus der Nutzung entlassen werden.

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