Lebensräume

Die Ostsee

Ostseewellen
Die Ostsee
(Foto: J. Schmiedel)

Ein Meer mit wenig Salz

Die Ostsee ist eines der größten Brackwassermeere der Erde. Brackwasser ist ein Gemisch aus Meer- und Süßwasser. Die Verbindung der Ostsee zum Ozean besteht nur über das schmale Kattegatt. Gleichzeitig ergießen über 200 Flüsse laufend ihr Wasser in das Meer. Je weiter man sich in der Ostsee vom Kattegatt entfernt, umso stärker ausgesüßt ist das Wasser. Im Bereich des Nationalparks liegt der Salzgehalt nur noch bei etwa einem Drittel dessen, was für die Weltmeere typisch ist.

Einzigartig und gefährdet

Geologisch betrachtet ist die Ostsee ein sehr junges Meer, das erst nach der letzten Eiszeit entstanden ist. Ihre jetzige Gestalt erhielt sie vor ca. 5.000 Jahren. Gleichzeitig ist die Ostsee eines der am stärksten genutzten und belasteten Meere der Welt. Durch die intensive landwirtschaftliche und industrielle Produktion in ihrem Einzugsgebiet gelangen jährlich große Mengen von düngenden und giftigen Stoffen in dieses Meer. Vor allem in den küstennahen Bereichen kommt es durch die Überdüngung regelmäßig zu sogenannten Algenblüten (Massenentwicklungen von Algen), die dem Wasser eine grüne Färbung geben.
Der Tidehub ist, anders als bei der Nordsee, in der Ostsee unbedeutend. Im Bereich des Nationalparks ist er kaum wahrnehmbar. Dennoch gibt es regelmäßig Wasserstandsschwankungen von über 1,5 m, die vornehmlich durch die Stärke und Richtung des Windes bestimmt werden.

Gänsesäger
Nur wenige Paare des Gänsesägers brüten im Nationalpark, aber zur Rastzeit kann man oft große Trupps beobachten.
(Foto: Jörg Schmiedel)

Die Ostsee im Nationalpark

Etwa die Hälfte der Fläche des Nationalparks gehört zum Flachwasserbereich der Ostsee. In der Ostsee sind die Flachwassergebiete der wichtigste Lebensraum der Fische. Hier ist das Nahrungsangebot für deren Larven, aber auch für erwachsene Bodentierfresser, am günstigsten. 39 marine Fischarten kommen regelmäßig im Nationalpark vor. Von zahlreichen Arten gibt es in der Ostsee eigene, genetisch getrennte Populationen, die sich im Verhalten und morphologischen Details von denen der Nordsee unterscheiden.
Die Fischbestände sind die Nahrungsgrundlage für fischverzehrende Säugetier- und Vogelarten: Haubentaucher, Pracht- und Sterntaucher sowie Zwerg-, Mittel- und Gänsesäger rasten im Winter zu Tausenden im Nationalpark und sind – wie viele weitere Vogelarten – auf die reichen Fischbestände angewiesen. Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde sind weniger häufig und vor allem im Sommer im Gebiet.

Am Boden der Ostsee leben Miesmuscheln, Wattschnecken, Herzmuscheln und Sandklaffmuscheln (neben zahlreichen anderen Wirbellosen). Sie bilden die Nahrungsgrundlage für Meeresenten. Vor allem für die Eisente sind die Ostseegewässer des Nationalparks ein unverzichtbares Überwinterungsquartier: In den flachen Gewässern nördlich des Darß und Zingst halten sich bis zu 50.000 Individuen auf. Nach der Oderbank ist dies der größte Überwinterungsplatz Europas. Nur selten bemerken die Besucher der Region diese vielen Tausend Enten, denn es sind echte Meerestiere. Sie schwimmen fast ausschließlich weitab der Landflächen.

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