Lebensräume

Steilufer

Steilufer des Dornbuschs
Berühmt weit über den Nationalpark hinaus: Das Steilufer des Dornbuschs.
(Foto: B. Blase)

Steilufer im Nationalpark

Steilküsten entstehen durch den natürlichen Landabtrag des Meeres. Dabei entstehen fast senkrecht abfallende vegetationsarme Pionierbiotope mit teils extremen mikroklimatischen Bedingungen. Diese aktiven Kliffs sind Primärbiotope für eine große Zahl von heute fast ausschließlich in der Kulturlandschaft vorkommenden Pflanzen- und Tierarten. Beispiele dafür sind sehr viele Ruderalpflanzen (Ackerkratzdistel, Huflattich u. a.) oder die Uferschwalbe.
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft kann man drei wichtige Typen von Steilküsten unterscheiden:

  • Moränensteilküsten: Abbruchkanten an Endmoränen der letzten Eiszeit. Hier steht lehmiges oder mergelhaltiges (d. h. kalkreiches) Bodenmaterial an. Sie befinden sich am Dornbusch, am Nordoststrand der Insel Liebitz, im Bereich Ostummanz und bei Barhöft.
  • Steilufer an holozänem Sand: Sie sind vor allem am Darßer Weststrand und am Zingster Nordstrand im Bereich der Sundischen Wiese vertreten.
  • Torfkliffs: Eine absolute Besonderheit des Nationalparks – Abbruchkanten an aus dem Bodden emporgewachsenem Torf. Sie sind besonders anschaulich am Ufer einiger Boddeninseln ausgebildet (Borner und Neuendorfer Bülten, Kirr, Barther Oie, Großer Werder, Heuwiese).

Flora und Vegetation

Die unterschiedlich alten Uferabbrüche aktiver Kliffs bewirken ein kleinflächig wechselndes Vegetationsmosaik. Vor allem am Dornbusch kann man alle Entwicklungsstadien vom vegetationslosen vertikalen Kliff über Magerrasen und lückige Gebüsche bis hin zum am Steilhang wachsenden Wald hervorragend ausgebildet sehen. Floristisch besonders vielfältig sind die Magerrasenstadien. Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllea), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und Weidenblättriger Alant (Inula salicina) wachsen hier. Zahlreiche lichtbedürftige Moose wie Pottia bryoides oder Thuidium abietinum kommen an den vegetationsarmen, frisch abgebrochenen Moränensteilufern vor. An solchen Standorten können diese Gewächse der Konkurrenz durch andere Pflanzenarten am ehesten entgehen.
Unterhalb der Kliffs liegt oftmals noch Abbruchmaterial am Strand, dessen Bewuchs schon stärker der Spülsaum-, Strand- oder Salzgraslandvegetation ähnelt, aber aufgrund der selteneren Überflutung auch weniger salzresistente Arten umfasst.

Uferabbruch am Darßer Weststrand
Nur der andauernde Abbruch erhält die Steilufer, hier am Darßer Weststrand.
(Foto: Jörg Schmiedel)

Die Tierwelt

Charakteristisch für Steilufer ist eine reichhaltige Besiedlung durch bodengrabende Bienen, Grabwespen und Wegwespen. Darüber hinaus beherbergen Steilufer vielfältige Vorkommen anderer seltener Insekten. So hat am Dornbusch der farbenprächtige Goldpunkt-Laufkäfer (Calosoma auropunctatum) eines seiner wenigen Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern. Zahlreiche Arten haben an den Steilküsten des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft sogar ihr einziges im Land bekanntes Vorkommen.
Typisch für die Moränensteilküsten ist die Besiedlung mit Uferschwalben, die bis zu zwei Meter tiefe Brutröhren in die Steilkanten graben. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft leben mindestens 1.500 Brutpaare, allein weit über 1.000 am Dornbusch.

Gefährdung

Die Steilküsten unterliegen wegen ihrer geringen Flächenausdehnung einer ständigen potentiellen Gefährdung. Trittschäden durch Besucher können große Anteile dieses Biotoptyps zerstören. Allein deswegen sollten Sie sich unbedingt an das Betretungsverbot der Steilufer halten. Außerdem ist das Klettern am Steilufer keineswegs ungefährlich.
Die Verhinderung der Erosions- und Abbruchprozesse durch Küstenschutzmaßnahmen ist der “Tod” des Steilufers. Wenn keine Uferabbrüche mehr stattfinden, verschwinden die meisten der typischen (und seltenen) Besiedler des Steilufers, denn im Laufe der Zeit geht mit fortschreitender Sukzession der offene, vegetationsarme Charakter dieses Lebensraumes verloren. Die typischen Tier- und Pflanzenarten sind jedoch auf weitgehend vegetationslose oder vegetationsarme Abbruchkanten angewiesen.
Sie können dies sehr gut am Dornbusch beobachten. Ein Teil des Steilufers ist durch den Bau der Huckemauer festgelegt worden. Die typischen offenen Bodenflächen, die großen Staudenbestände und Uferschwalbenkolonien werden Sie in diesem Bereich nicht mehr finden.

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