Lebensräume

Röhrichte

Meersimsenröhricht
Meersimsenröhricht am Bodden
(Foto: J. Schmiedel)

Röhrichte im Nationalpark

Röhrichte gehören zu den für die Vorpommersche Boddenlandschaft besonders charakteristischen Lebensräumen. Weite Bereiche der Boddenlandschaft wären von Natur aus von Röhrichten bedeckt. Die Boddenufer wären von breiten Röhrichtsäumen umschlossen, Schlickbänke und flache Inseln von vielfältigen Röhrichten bedeckt. Viele der heute eingedeichten Flächen waren ehemals von mehr oder weniger dichten und hochwüchsigen Röhrichten bewachsen. Heute nehmen die Röhrichte nur noch einen Bruchteil der potenziell besiedelbaren Flächen ein. Eindeichung, Entwässerung, landwirtschaftliche Nutzung und die Auswirkungen von Wassersport und Schifffahrt haben die Röhrichte auch im Nationalpark an vielen Stellen verdrängt.

Die Pflanzenwelt

Die Vegetation der Röhrichte besteht keineswegs nur aus Schilf. Typisch für den Nationalpark sind ausgedehnte Röhrichte aus Meersimsen (Bolboschoenus maritimus). Vor allem in den niedrigeren Röhrichten kommen zahlreiche Stauden, wie Strand-Aster (Aster tripolium), Wiesen-Pferdesaat (Oenanthe lachenalii), Wilder Sellerie (Apium graveolens) oder die Strand-Segge (Carex extensa), eingestreut vor.

Sumpfohreule
Sumpfohreule - ein seltener Brutvogel in niedrigwüchsigen Röhrichten
(Foto: Arndt)

Die Tierwelt

Die Wirbellosenfauna der Röhrichte ist deutlich vielfältiger, als im allgemeinen vermutet wird. Dabei sind es nur zu einem Teil die Bewohner des Schilfrohrs oder der Meerbinse, die den Artenreichtum des Röhrichts ausmachen. Im und auf dem schlammigen oder sandigen, oft streubedeckten Boden der Röhrichtzonen leben eine Reihe von Wirbellosen, die spezifisch an die Brackwasserröhrichte angepasst sind (z. B. bestimmte Moostierchen). Andere Arten kommen auch in den Boddengewässern oder den Wattflächen vor, besiedeln aber auch den Röhrichtboden mit zum Teil außerordentlich hohen Individuendichten. Verschiedene Schmetterlinge verleben ihr Larvenstadium im Innern der Schilfhalme. Hierzu zählen die Schilfeulen, die im Nationalpark mit einem weiten Artenspektrum vertreten sind. Typische und besonders auffällige Bewohner der Schilfröhrichte des Nationalparks sind mehrere Arten der Schilffliegen (Lipara). Diese Tiere bewirken auffällige, zigarrenförmige Gallenbildungen an der Spitze der Schilftriebe, die man verbreitet in fast jedem Schilfröhricht finden kann. Diese Gallen sind gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche weitere Insektenarten, zum Beispiel die seltene Schilf-Maskenbiene (Hylaeus pectoralis). Typische Brutvögel der Schilfröhrichte im Nationalpark sind Teichrohrsänger, Schilfrohrsänger und Bartmeise im Halmbereich. Rohrweihe, Schnatterente, Knäkente, Löffelente, Kolbenente und zahlreiche weitere Entenvögel brüten am Boden. Gelegentlich kommt in niedrigen Röhrichten die Sumpfohreule vor.

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