Lebensräume

Salzgrasland

Tundrenartiges Salzgrasland
Salzgrasland ist eine Wasserlandschaft. Aus der Luft versteht man, warum nach Eindeichung die typischen Tiere und Pflanzen sofort verschwinden.
(Foto: A. Löber)

Was ist Salzgrasland?

Im seltener überfluteten Bereich oberhalb der Mittelwasserlinie hat sich an den Boddenufern unter Brackwassereinfluss eine Vegetation ausgebildet, die sich sowohl von der Salzvegetation der Nordsee als auch von der Ufervegetation der Binnengewässer unterscheidet. Unter natürlichen Bedingungen würden in dieser Zone vorwiegend Brackwasserröhrichte wachsen. Über Jahrhunderte wurde dieser Uferbereich jedoch als Viehweide genutzt und die Röhrichte dadurch verdrängt. Obwohl die meisten ehemaligen Salzweiden heute eingedeicht und melioriert worden sind, haben einige der beweideten Salzgrasländer bis heute überdauert, vor allem auf den Inseln. Große Salzweideflächen befinden sich auf den Inseln Kirr, Barther Oie, Schmidtbülten, Ummanz und Hiddensee.
Nur kleinflächig kommt die Vegetation dieser Salzweiden auch natürlich – ohne die Beweidung durch Rinder – vor: An Grenzstandorten, an denen das Röhricht nicht recht Fuß fassen kann, aber auch z. B. an den ausgedehnten Wühlstellen von Wildschweinen. Die Vegetation dieser natürlichen Salzgrasländer ist meist höherwüchsiger und artenreicher.

Die Pflanzenwelt

Die zentrale Pflanzengesellschaft der Salzweiden ist die Boddenbinsenweide (Juncetum gerardii). Neben der Bodden-Binse kommen als typische Arten z. B. Strand-Dreizack, Strand-Wegerich, Rotschwingel, Grasnelke und Meerbinse vor. In den feuchteren und salzigeren Bereichen entstehen vor allem bei stärkerer Beweidung Andelrasen, die durch Salz-Schuppenmiere und Andelgras gekennzeichnet sind. Die typische Ausbildung dieser Pflanzengesellschaft ist sehr kurzrasig, da sie einen hohen Futterwert hat und vom Weidevieh und rastenden, die Vegetation abweidenden Vögeln (v. a. Gänsen) bevorzugt verzehrt wird.

Besonderheit: Die “Röten”

In den im Sommer austrocknenden Vertiefungen (den sogenannten “Röten”) im Bereich der Salzgrasländer stellen sich extreme Bedingungen ein. Die Senken sind im Frühjahr durch die Überflutungen mit Wasser gefüllt, der Boden trocknet jedoch im Laufe des Frühjahrs oder Sommers ab, fällt völlig trocken und zeigt bei weiterer Austrocknung Trockenrisse. Durch die Verdunstung erhöht sich der Salzgehalt und es kann sogar zu Salzausblühungen kommen. Dem stagnierenden, durch Sonneneinstrahlung schnell erwärmten Wasser wird durch Abbau der organischen Masse (Torf) schnell der Sauerstoff entzogen. Der relativ hohe Sulfatgehalt des Meereswassers begünstigt Fäulnisvorgänge, bei denen Sulfat zu Schwefelwasserstoff H2S reduziert wird. Dieses nach faulen Eiern stinkende Gas ist für die meisten Organismen hochgiftig.
Diese Stellen bieten Lebensraum nur für einjährige Salzpflanzen. Die Nahrungssuche für Watvogelarten ist in diesen allenfalls schütter bewachsenen Zonen gegenüber dichterer Vegetation erleichtert. In ihnen und in den schlammigen Teilen der Priele suchen sie daher bevorzugt Nahrung.

Großer Brachvogel
Der Große Brachvogel brütet im Salzgrasland der Insel Kirr.
(Foto: Prof. Dr. Arnd Stiefel)

Die Tierwelt

Als Bruthabitate für zahlreiche Küstenvögel sind die Salzweiden schon lange bekannt. Typische Vögel der Salzweide sind Kiebitz, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Rotschenkel und Uferschnepfe, hier im Nationalpark auch Austernfischer, Lachmöwe, Fluss- und Brandseeschwalbe. Während die Watvogelarten die Salzweiden in der Regel sowohl als Brut-, wie auch als Nahrungsgebiet nutzen, sind sie bei den koloniebrütenden Möwen und Seeschwalben lediglich Brutplatz. Ihre Nahrung suchen sich diese Arten in benachbarten Lebensräumen. Typische Singvögel der Salzweiden sind die Schafstelze, Wiesenpieper und Feldlerche.
Pflanzen fressende Vögel wie Gänse und Pfeifenten weiden ganzjährig auf dem Salzgrasland. Die regelmäßigen Überflutungen führen zu einem besonders eiweißreichen Gras, das bei den Vögeln besonders beliebt ist.
Auch die Insektenfauna der Salzweiden ist außerordentlich bemerkenswert. Es kommt z. B. eine ganze Reihe von seltenen, zum Teil auf salzbeeinflusste Lebensräume spezialisierte Laufkäferarten vor, und auch die Schmetterlingsfauna weist besondere Vertreter auf.

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