Lebensräume

Dünen und Strandwälle

Dünen
Am Prerower Nordstrand wird der Sand zu Dünenfeldern aufgeweht.
(Foto: J. Schmiedel)

Dünen

An der deutschen Ostseeküste sind natürliche Dünen keine häufige Erscheinung. Die Bildung höherer und ausgedehnter Dünenfelder ist an mehrere Voraussetzungen gebunden, die nur an wenigen Orten in dieser Kombination vorliegen:

  • ausreichende Sandnachlieferung durch das Meer,
  • auflandige Winde,
  • Trockenfallen des Vorstrandes als Lieferant des Sandes.

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sind größere aktive Dünenfelder nur am Darßer Ort, bei Pramort und auf dem Südgellen vorhanden. Die Dünenheide von Hiddensee ist nicht vollständig natürlich und hat durch das Aufwachsen des gepflanzten Küstenschutzwaldes viel von ihrer natürlichen Dynamik eingebüßt.

Strandwälle

Strandwälle sind langgestreckte Sand- und Kieskämme, die zumindest in ihren Initialstadien nicht rein durch Aufwehungen des Windes entstanden sind. Von der Strömung parallel zur Küste transportiertes Material – Sand und Geröll, aber z. B. auch Pflanzenreste – kann nach Hochwässern am Strand abgelagert und bei starkem auflandigem Wind weiter zu Strandwällen aufgeworfen werden. Liegt die Transportbahn des Materials von der Küstenlinie entfernt, kann es zur Bildung von Haken oder Nehrungen kommen. Diese können bei Nachlieferung weiteren Materials zu hohen Dünenkämmen aufwehen. Bei einer mehrfachen Verlagerung der Strömung von der Küste weg, kann es zur Ausbildung ganzer Strandwallsysteme kommen, wie sie im Nationalpark nach jahrtausendelanger Entwicklung besonders anschaulich auf dem Neudarß entstanden sind.

Kriechweide
Die zwergwüchsigen Kriechweiden gehören zu den typischen Dünengewächsen.
(Foto: Jörg Schmiedel)

Lebensbedingungen

Dünen- und Strandwallbereiche zeichnen sich durch große sommerliche Erwärmung und eine extreme Bodentrockenheit aus. Die starke Windexposition ist unmittelbare Voraussetzung für die Bildung von Dünen. Die ständige Nachlieferung von Material bedeutet eine laufende, mehr oder weniger starke Übersandung. Ausblasungen führen stellenweise zu einem erneuten Abtrag des durch Pflanzenwuchs noch wenig festgelegten Materials.

Pflanzenwelt

Die charakteristische, bestandsbestimmende Pflanze der frühen Dünenstadien (Weißdünen) ist der Strandhafer.
Seltene Arten in älteren Dünen sind u. a. die farbenprächtige Dünen-Platterbse (Lathyrus japonicus) und die Stranddistel (Eryngium maritimum). Kennzeichnend vor allem für die Dünentäler sind Vorkommen einer Reihe seltener Moose.
Im Nationalpark haben sich auf älteren Dünenstadien oft Zwergstrauchheiden entwickelt. Dieser im Binnenland ausschließlich nutzungsbedingte Biotoptyp kommt im Nationalpark in Form krähenbeerreicher natürlicher Küstenheiden vor.

Kreuzkröte
Die Kreuzkröte kommt in allen größeren Dünenfeldern im Nationalpark vor.
(Foto: Jörg Schmiedel)

Tierwelt

Kennzeichnend für die Dünen und Strandwälle ist eine reiche Fauna trockenheits- und wärmeliebender Insekten. Der Küstensandlaufkäfer (Cicindela maritikma) ist eines der Charaktertiere der Dünen. Daneben kommt eine ganze Reihe seltener Schwebfliegen-, Bienen- und Wespenarten vor.
Ein weiterer typischer und im Nationalpark weit verbreiteter Dünenbewohner ist die Kreuzkröte. Ihre Laichplätze befinden sich in Dünentälern der Braun- und Graudünenregion. Unter den Reptilien ist besonders die Kreuzotter in den Dünen des Nationalparks häufig.
Charakteristische Brutvögel der Dünen- und Strandwallbereiche sind Heidelerche und Steinschmätzer. In den Strandwallsystemen auf dem Neuen Bessin brütet die Zwergseeschwalbe, für die diese meeresnahen vegetationsarmen Bereiche unersetzlich sind.

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