Lebensräume

Wälder

Stamm mit Baumpilzen
Baumpilze sind ein wichtiges Glied in der Lebensgemeinschaft des Waldes.
(Foto: J. Schmiedel)

Wälder im Nationalpark

Etwa die Hälfte der Landfläche des Nationalparks ist mit Wäldern bedeckt. Das größte zusammenhängende Waldgebiet stellt der Darßwald mit nahezu 5.000 ha Fläche, gefolgt vom Osterwald auf dem Zingst mit ca. 800 ha, dar. Kleinere geschlossene Waldgebiete finden sich auf dem Ostzingst, der Insel Bock, dem Bug, im Südwesten Rügens mit dem Ralower Holz und auf dem Dornbusch.
Die Wälder sind, wie insgesamt die Vegetation des Nationalparks, aufgrund der standörtlichen Reichhaltigkeit sehr vielfältig. Neben der Spannweite von trockenen bis sehr nassen Standorten gibt es auch eine Entwicklungsreihe zu beobachten, die von den ersten Waldstadien in Anlandungsgebieten bis hin zu dicht entwickelten Buchenwäldern reicht. Am anschaulichsten ist diese Entwicklungsreihe auf dem Darß zu beobachten.

Die Entwicklungsreihe der Wälder

Im Rahmen der Vegetationsentwicklung auf Dünen und Strandwällen bilden Kiefern die ersten Waldstadien. Sie lösen die auf den armen, noch schwach mit Humus angereicherten Sandböden entwickelten Magerrasen und Zwergstrauchheiden ab. Diese Wälder weisen anfänglich außer der Kiefer kaum andere Baumarten auf. Entsprechend des standörtlich sehr wechselhaften Mosaiks stehen die Kiefern teils in Gruppen zusammen, teils wachsen sie mit ausladener Krone in großem Abstand zueinander auf. In den sehr lichten Wäldern entwickelt sich eine außergewöhnlich artenreiche Krautschicht. Es handelt sich um eine niedrigwüchsige, trittempfindliche Vegetation mit einem sehr hohen Anteil bedrohter Arten.
Mit zunehmender Bodenentwicklung und Nährstoffanreicherung wird der Unterwuchs in den Kiefernwäldern dichter, bis dieser schließlich keine natürliche Kiefernverjüngung mehr zulässt. Nun übernehmen Zwischenbaumarten wie die Eiche sowie die Rotbuche im Wald die Vorherrschaft und leiten die Entwicklung zu laubbaumbestimmten Wäldern ein. Am Ende stehen in der Regel fast reine Rotbuchenwälder. Eichen-Buchenwälder sind dort ausgebildet, wo die Buche wegen hoch anstehenden Grundwassers eine standörtliche Grenze erreicht. Aufgrund des auftretenden verminderten Höhenwachstums der Buche auf diesen Stellen und deren geringer Standfestigkeit steigt die Konkurrenzkraft der Stiel-Eiche.

Bockkäfer
Die Larven von Bockkäfern wie dem Roten Halsbock (Leptura rubra) leben in Totholz.
(Foto: J. Schmiedel)

Zwischenwälder und Bruchwälder

Neben den Buchenwäldern als Hauptwald treten im Nationalpark auf mittleren Standorten von Laubbäumen beherrschte Vor- u. Zwischenwaldstadien auf. Es handelt sich hierbei um Birken-Kiefernwälder, die z. B. nach Windbrüchen oder auf ehemaligen Kahlschlagflächen auf Standorten mit entwickelten Humusauflagen wachsen. Im Ralower Holz auf Rügen haben sich Eichen-Hainbuchenwälder als Zwischenwaldstadium entwickeln können.
Der Wasserfeder-Erlenbruchwald (Hottonio-Alnetum) ist die nasseste Waldgesellschaft im Nationalpark. Er besiedelt vornehmlich die nassen Senken zwischen den Strandwällen, die sogenannten Riegen. Die Erlen in diesen Wäldern sind nur schwach in der Torfmudde verankert, so dass umgestürzte Bäume zum typischen Waldbild zählen.

Forstliche Wälder und Forstwirtschaft

Vielerorts sind im Nationalpark die natürlichen Waldbilder durch forstliche Maßnahmen verändert. Es wurden dadurch zum Teil sehr naturferne Bestände begründet. Das Nationalparkamt ist bestrebt, diese Bestände baldmöglichst in einen naturnäheren Zustand zu überführen. Hierzu wurde eine detaillierte Handlungskonzeption erstellt.

Schwarzspecht
Der Schwarzspecht braucht für seine Höhlen alte Bäume.
(Foto: R. Hausmann)

Tiere und Pflanzen der Wälder

Vor allem die Moosflora der Wälder des Nationalparks ist bemerkenswert. Das liegt einerseits an dem luftfeuchten Klima, das diese Pflanzen begünstigt, andererseits an einer relativ guten Luftqualität und drittens an den Vorkommen von Altbäumen in vielen Nationalparkwäldern. Viele der Moose wachsen an der Borke von alten Buchen.
Die Altbäume sind auch wichtig für eine Reihe von Brutvögeln. Der Schwarzspecht baut seine Höhlen nur in älteren, dicken Bäumen. Die verlassenen Höhlen dieses im Nationalpark häufigen Spechtes werden z. B. von Hohltauben besiedelt. Im Kronenbereich von Altbäumen bauen Greifvögel, wie der Seeadler, ihre Horste.
Mit vermutlich über 600 Individuen im Nationalpark ist der Rothirsch eine recht häufige Säugetierart der Wälder. Aufmerksame, ruhige Beobachter bekommen einzelne Hirsche regelmäßig zu Gesicht.

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