15 Jahre Nationalpark

Teil 1: Plötzlich waren die Türen offen

Nationalparke waren in der DDR nie ein Thema. Oder doch? Einem namhaften Greifswalder Biologen, dem Dr. Lebrecht Jeschke, verdanken wir folgende Aussage: “Als 1953 das erste Naturschutzgesetz der DDR diskutiert wurde, wurde auch über die Notwendigkeit der Schaffung von Nationalparks heftig debattiert. Viele Menschen begeisterten sich damals für den Gedanken, in der jungen DDR die damals schon international bekannten Erholungslandschaften, die sich durch unverwechselbare und in mancher Hinsicht unberührte Natur auszeichneten, zu Nationalparks zu entwickeln.” Daraus wurde bekanntlich nichts. Auch der konkrete Anlauf einer Gruppe einheimischer Naturfreunde und der Ortsgruppe Zingst des Deutschen Kulturbundes, die 1955 die Forderung nach der Errichtung eines “Deutschen Nationalparks an der Ostseeküste” aufmachte, führte nicht zum Erfolg. Naturschutzgebiete gab es mehrere, so auf Rügen, auf Hiddensee, auf dem Zingst und auf dem Darß. Einige waren bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die meisten zwischen 1957 und 1967, ausgewiesen worden. Und dann kam das Jahr 1989. Die innerdeutsche Grenze wurde geöffnet, die Staatsjagden aufgelöst… Bürgerinitiativen nutzten die Gunst der Stunde. Beim Rat des Kreises Ribnitz-Damgarten wurde eine “Initiativgruppe Nationalpark Küstenlandschaft” gebildet. Die Gründung eines Nationalparks war Inhalt mehrerer “Runder Tische”, Ende Februar 1990 wurde eine Postwurfsendung über den geplanten “Nationalpark Küstenlandschaft” verteilt.

Plötzlich ging alles im Eiltempo


1. Nationalparkschild
(Foto: H.Sporns)

Als am 12. September 1990 der Ministerrat der DDR die Unterschutzstellung von 14 großflächigen Landschaften zwischen Ostsee und Thüringer Wald beschließt, ist der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft dabei. Mit Wirkung vom 1. Oktober wird der Nationalpark per Verordnung festgesetzt. Der wenige Tage später beschlossene Einigungsvertrag sichert die Gültigkeit der Festsetzung des Nationalparks auch im vereinigten Deutschland. Eine Aufbauleitung, der 10 befristet angestellte Mitarbeiter angehören, nimmt ihre Tätigkeit im neuen Forsthaus Born auf. Einst als Unterkünfte für Gäste geschaffene Räume werden zu Büroräumen. Büromöbel gibt es nicht, auch keine Schreibtechnik, telefoniert werden kann nur auf Zuruf: “Ist die Leitung jetzt frei?” Motiviert, Natur und Landschaft zu schützen und die Menschen aufzuklären, nehmen die Mitarbeiter Aufgaben in Angriff, wie die nationalparkgerechte Beschilderung, das Aufstellen von Hinweistafeln, den Bau von Wanderwegen, das Schaffen von Fahrradwegen und das Aufstellen und Gestalten von Schaukästen. Es wird sogar schon das erste Faltblatt herausgegeben.

Anlaufpunkte für Rüganer und Hiddenseer

Ab Januar 1991 wird die Biosphärestation in Schaprode mit ihren Mitarbeitern dem Nationalparkaufbaustab als Außenstelle für den Bereich Westrügen und Hiddensee zugeordnet. Damit haben Einheimische und Besucher des östlichen Teils des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft einen doch weitaus näher liegenderen Anlaufpunkt für ihre Fragen und Probleme. Für die Hiddenseer wird es ab 1. Juni desselben Jahres dann sogar noch günstiger. Mit Unterstützung des dortigen Bürgermeisters, Herrn Athing, wird im Gemeindeamt in Vitte ein Nationalparkbüro eingerichtet.

Die ersten beiden Jahre

In den ersten beiden Jahren des Nationalparks gab es Ungeklärtes, auch manche Ungewissheit, aber es passierte unheimlich viel. Der Marinestützpunkt Darßer Ort, einschließlich der dortigen Bungalowsiedlungen von der 4. Flottille der NVA-Volksmarine und dem ehemaligen Ministerium für Verteidigung, die Grenzkompanie Prerow, die Stützpunkte der Luftverteidigung, der Marine und der Grenzbrigade Küste in Barhöft, der Stützpunkt des Ministeriums für Staatssicherheit des Amtes für Nationale Sicherheit auf der Insel Bock sowie der Grenzstützpunkt auf dem Dornbusch/Insel Hiddensee werden als Militärobjekte aufgegeben. Die Nationalparkverwaltung setzt ihren Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit. Neben den Informationen in den Gebieten werden Informationseinrichtungen geschaffen. Die erste wird Anfang Februar im Forsthaus Born eröffnet. Mitte Mai folgt eine weitere in der Sommergalerie Zingst. Ebenfalls 1991, im Juni eröffnet das Deutsche Museum für Meereskunde und Fischerei Stralsund ein Informationszentrum zum Thema Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft am Leuchtturm Darßer Ort.

Autor: Dr. H. Konow

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