15 Jahre Nationalpark

Teil 3: Militär und Besucher

In den ersten beiden Jahren werden ehemals militärisch genutzte Gebiete als Bundeswehrstandorte aufgeben. Nur mit dem Stützpunkt auf dem Ostzingst tut sich das etwas schwer. Für diesen meldet die Bundeswehr weiterhin Bedarf an.
Im Januar 1991 – das Kind Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist drei Monate alt – wird der Garnisonsstandort neu besetzt. Großes hat man vor. Nach Ablauf des Kreta-Vertrages sollen ab 1994 alle Abwehrschießübungen mit dem Raketensystem “Roland” von Kreta nach Zingst verlagert werden.
Das vereinbart sich rein gar nicht mit der Nationalparkzielstellung. Diesen oder jenen Arbeitsplatz hätte es schon erhalten oder neu bringen können. Meinungen und Aktivitäten driften ganz gehörig auseinander: Demonstrationen gegen, Unterschriftensammlungen für den Erhalt.
Am 6. Februar 1991 haben Vertreter der Bürgerinitiative, der Gemeindevertretung Zingst, des Fördervereins “Nationalpark Boddenlandschaft e. V.” und der Aufbauleitung des Nationalparks ein Gespräch beim Bundesverteidigungsministerium in Bonn – ohne Ergebnis. Nach Aufforderung durch den Landtag erhebt Dr. Alfred Gomolka, Ministerpräsident von M-V, am 5. Juli 1991 beim Bundesverteidigungsministerium Einspruch gegen die weitere militärische Nutzung.
Am 31. Mai 1993 endet die militärische Nutzung des Gebietes Zingst.

Schnelle Regelung

Kurios, gerade dieser, der östliche Teil des Zingst ist es, der schon sehr zeitig für den “Sanften Tourismus” erschlossen wird. Monate vor der Gründung des Nationalparks, am 6. März 1990 findet eine Begehung der Sundischen Wiese statt. Naturfreunden soll der Besuch des lange wegen militärischer Nutzung gesperrten Gebietes ermöglicht werden. Die Natur muss einen Schock bekommen haben: Besucherinvasion.
Zum Schutz der Landschaft sehen sich die Verantwortlichen gezwungen Maßnahmen zu ergreifen. Der Rat der Gemeinde bewirkt durch einen Beschluss ein generelles Kraftfahrzeugverbot für das Gebiet östlich des Schlagbaumes. Besucher können an geführten Exkursionen nach Pramort und zur Hohen Düne teilnehmen. Solche finden an den Wochenenden durch das VEG Zingst und Naturschutzhelfer statt.
Ende April werden auf einer weiteren Beratung u. a. Wegtrassen festgelegt, der Bau einer Aussichtsplattform durch die NVA beschlossen sowie das Aufstellen von Naturschutzgebiets- und Landschaftsschutzgebietstafeln angeregt.


U. Lau bei Führung
(Foto: H.Sporns)

“Für die gesamte Betreuung des Gebietes östlich des Schlagbaumes sind Naturschutzhelfer auszuwählen und … zur Betreuung einzusetzen.” (Protokoll der Beratung am 23.04.1990). Für die Abstimmung und Koordinierung der Tätigkeit der Naturschutzbeauftragten wird Stefan Beese und für die Schulung Gert Graumann bestimmt. Beide werden später Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung. Andere wichtige Beschlüsse sind die Übernahme von Sicherungsaufgaben am Schlagbaum Sundische Wiese auch im Interesse des Naturschutzes durch die NVA sowie die “einstweilige Sicherung” des Gebietes östlich des Schlagbaumes als Naturschutzgebiet.
Nachdem dann Ende November 1991 die Armee die Bewachung des Gebietes aufgibt, übernimmt die Nationalparkwacht – zehn befristet angestellte Einwohner aus Zingst – die Betreuung. Besucher können auf der vorhandenen Straße nach Pramort radeln oder auch zu Fuß gehen. Von dort werden Führungen zur Hohen Düne angeboten.


Bughütte
(Foto: H.Konow)

Ganz anders stellt sich die Situation auf dem Bug dar. Ende 1991 wird die militärische Nutzung eingestellt. Der Südbug gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Seit August sind ABM-Kräfte der Gemeinde Dranske dabei, das Gelände zu beräumen. Im Dezember 1992 – der Nationalpark ist zwei Jahre alt – wird zusammen mit der Bundeswehrstandortverwaltung eine Betretungsregelung getroffen. Bodden- und seeseitig wird je eine überdachte Beobachtungseinrichtung gebaut. Was fehlt, ist die Erlaubnis zur Durchführung organisierter Führungen.
Ende Juli 1993 kommt hoher Besuch. Der Ministerpräsident von M-V, Dr. Berndt Seite, weilt auf dem Südbug. Folge: das Bundesvermögensamt Rostock genehmigt organisierte Führungen in das Nationalparkgebiet. Nach Terminplan und nach Anmeldung bei der Wache dürfen Gruppen über den Nordbug in das Nationalparkgebiet geführt werden.
Gemeinsam organisieren Nationalparkverwaltung und Wittow-Touristik- und Reise GmbH Dranske Führungen. Wanderleiter wird Peter Henke. Die Statistik von 1993 weist 14 geführte Wanderungen auf dem Südbug mit 163 Teilnehmern aus.

Autor: Dr. H. Konow

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