15 Jahre Nationalpark

Teil 5: 1995 - das fünfte, ein besonderes Jahr

21 Männer und Frauen arbeiten als Wächter im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Anfang des Jahres 1995 ist die Stimmung gedrückt. Diese Mitarbeiter werden überwiegend aus EU-Mitteln finanziert. Im Laufe des Jahres läuft die Finanzierung aus. Wie soll es dann weitergehen?


Ingetraud Schütt von der Nationalparkwacht mit einer
Praktikantin beim Projekttag mit Kindern der
Schule Wustrow
(Foto: H.Konow)

Nach der Landtagswahl im vergangenen Jahr änderte sich die Zuständigkeit im Ministerium. Im Zuge von Einsparungen ging das Umweltministerium in andere Ministerien auf. Die Nationalparkämter fielen Martin Brick, dem Minister für Landwirtschaft und Natur, zu.
Brick, jetzt zuständig sowohl für Forst als auch für Nationalparke, sieht sich in der Pflicht, will Schluss machen mit der Doppelzuständigkeit in den Nationalparken. Er plant Forst- und Nationalparkverwaltungen zusammenzulegen und durch Umsetzung von Mitarbeitern der Forstverwaltung eine auf Dauer funktionstüchtige Nationalparkwacht aufzubauen: “Indem wir eine einheitliche Verwaltung mit dem erforderlichen Personalbestand bilden, zeigen wir augenscheinlich, dass es dem Land Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Nationalparken ernst ist. Wir wollen uns mit unseren Nationalparken nicht blamieren.” Nach seiner Vorstellung sollen die Nationalparke zu einem Aushängeschild werden, das auch den Tourismus beflügelt. – Der Wind bläst ihm selbst in seinen eigenen Reihen mächtig in’s Gesicht. Er aber bleibt stur.
Am 31. Oktober tritt das Befürchtete ein. Die ersten Zeitarbeitsverträge von Nationalparkwächtern laufen aus. Wer soll jetzt die Betreuung der Besucher übernehmen, wer soll die Gebiete absichern? Hartmut Sporns, Leiter der Außenstelle Born des Landesnationalparkamtes in Speck, wendet sich an den Leiter des Forstamtes Born, Lutz Bockisch. Dieser reagiert schnell und unbürokratisch, stellt acht Forstwirte aus seinem Amt für die Tätigkeit in der Nationalparkwacht ab.

Erstmals Nationalparktag in Wieck am Hafen


Auf der Festveranstaltung zum 5. Jahrestag im Festzelt in
Wieck am Hafen
(Foto: H.Sporns)

Fünf Jahre wird der Nationalpark alt. Würdig will man diesen Tag begehen. Nachdem sich im Jahr zuvor gezeigt hat, dass Raum und Platz bei der Alten Schule in Wieck zu klein sind, entscheidet man sich für den Platz am Hafen.

Ein Festzelt wird aufgebaut, Vereine und Gewerbetreibende errichten Stände. Ein Kulturprogramm umrahmt die Veranstaltung und junge Leute aus neuen europäischen Ländern, Teilnehmer des 4. Sommercamps “Europas Jugend forscht für die Umwelt”, stellen Forschungsergebnisse aus ihren Untersuchungen im Nationalpark vor. Der Tag steht unter dem Motto “Erlebnis Bodden im Nationalpark.”

Auch das war im Jahr 5

Mitarbeiter der Nationalparkwacht in Zingst gestalten die Informationseinrichtung in der Sundischen Wiese einschließlich Außengelände neu. Erstmalig findet auch an der Volkshochschule Stralsund ein Wanderleiterlehrgang statt. Wegen Baufälligkeit müssen am Rundwanderweg Darßer Ort drei Aussichtsbauwerke abgerissen werden. Zwei neue werden gebaut.
In der Informationsausstellung in Wieck nutzen Künstler die Möglichkeit zur zeitweiligen Präsentation ihrer Werke. Jochen Schirmer schreibt ein Bild zur Verlosung aus. Viele Einsendungen treffen ein. Die glückliche Gewinnerin kommt aus Wieck.
Hiddensee zieht immer mehr Tagestouristen an. Die Insulaner sind davon weniger begeistert. Sie meinen: “So kann es nicht weitergehen.”
Im Rahmen des Projektes “Zeitung in der Schule”, ausgeschrieben von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verweilen Greifswalder Schüler im Nationalpark. Heraus kommen vielfältige und interessante Artikel über die natürlichen Besonderheiten genau wie über die Menschen und ihr Verhältnis zur Natur.
Der Heimatverein Barth lädt zu einem Ausflug auf den Bug/Rügen ein. Ein Nationalparkwächter macht die Gruppe mit den Naturschönheiten vertraut. Nicht so glücklich verläuft die Führung am gleichen Ort zu Pfingsten. Laut Absprache mit dem Bundesvermögensamt sind pro Führung 50 Personen zugelassen. Mehr als 100 kommen. Ein Teilnehmer beschwert sich in der Presse. Darauf fordert ein unbeteiligter Leser, dass der Bug weiterhin der Bevölkerung zugänglich sein sollte, “jedoch mit angemessener Kontrolle, da viele … die demokratische Freiheit zu unser aller Schaden ausnutzen.” Er dankt ausdrücklich den Mitarbeitern des Nationalparks für ihre Tätigkeit.

Autor: Dr. H. Konow

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