15 Jahre Nationalpark

Teil 6: Der Natur zu Liebe

Mit dem Beschluss eines “Großschutzgebietsorganisationsgesetzes” legt der Landtag M-V Ende 1995 den Grundstein für die Neuordnung in den Nationalparken, Naturparken und dem Biosphärenreservat im Land.

Aus dem Nationalparkamt M-V in Speck wird das Landesnationalparkamt; aus Außenstellen werden Ämter. Aus der Verwaltung des hiesigen Nationalparks und dem Forstamt Born geht das Nationalparkamt Vorpommersche Boddenlandschaft als untere Naturschutz- und untere Forstbehörde hervor. Zum Sitz des Amtes wird das neue Forsthaus in Born bestimmt, ihm angeschlossen sind die Außenstellen in Vitte auf Hiddensee und Schaprode an der Westküste Rügens.
Erster Arbeitstag 1996: Das Amt in Born nimmt seine Arbeit auf. Die einstigen Mitarbeiter des Forstamtes Born und die der Nationalparkverwaltung finden sich gemeinsam in einem Raum ein. Man begrüßt sich, denn man kennt sich, ist sich oft genug im Hause begegnet. Vorn steht eine Neuer, beäugt von allen: “Das ist nun unser gemeinsamer Chef.” Forstoberrat Siegfried Brosowski, bis dahin Leiter des Forstamtes Poggendorf, begrüßt seine Mitarbeiter, stellt sich kurz vor und sagt direkt und unumwunden, was er von jedem erwartet: “Leistungen”.
Mit der Amtsgründung einher geht eine Neu- bzw. Umverteilung von Arbeitsaufgaben. Der Geschäftsverteilungsplan gibt die Strukturierung in drei Dezernate vor, die jeweils mit Stellen untersetzt sind. Einigen Stellen sind bereits Namen zugeordnet, andere hingegen sind noch offen. Auf diese können sich Mitarbeiter, die ihren Namen nicht finden, bewerben. Damit beginnt das Jahr. Dann werden Büroräume zugeteilt und eingerichtet. Schon bald hat jeder seinen Platz gefunden; das Amt ist arbeitsfähig.
Einzelne Stellen werden erst später besetzt. Von sechs über Zeitarbeitsverträge Beschäftigte läuft der Vertrag im Laufe des Jahres aus. Am 30. September ist für die drei Nationalparkwächter auf Hiddensee der letzte Arbeitstag; sehr zum Bedauern der Insulaner. Sie sammeln 220 Unterschriften für den Verbleib der Leute. Die Unterschriftenliste überreicht Pastor Domrös Bundesumweltministerin Angela Merkel zum Weiterreichen an den zuständigen Minister im Land M-V.


Der "Wikingerturm" wird eingeweiht.
Foto: A. Nehring

Im Jahr 1996 geht es in Vielem voran. Ende Januar gründet sich die Umweltzentrum Wieck GmbH. Gesellschafter sind der Förderverein “Nationalpark Boddenlandschaft e. V.” und die Gemeinde Wieck. Mitte Juni übergibt die Umweltstiftung WWF am Nothafen Darßer Ort dem Nationalparkamt einen Beobachtungsturm, den “Wikingerturm”. Dieser ermöglicht den Besuchern einen guten Einblick in die Landschaftsentstehung und lässt das Beobachten ohne zu stören zu. Das Natureum Darßer Ort feiert seinen fünften Geburtstag. Am Darßer Ort werden weitere 600 m Rundwanderweg der Öffentlichkeit übergeben. Damit sind jetzt 1.800 m Weg auf Holzbohlen begehbar. Davon profitieren Mensch und Natur: besser laufen; weniger Schaden nehmen.


Briefmarken-Blocksatz "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft"

Die Deutsche Post AG beginnt mit einer Sonderbriefmarkenblockserie, die National- und Naturparke vorstellen wird. Der erste Block ist dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gewidmet. Gerhard Troschke, Präsident der Direktion Briefpost Schwerin, betont bei der Übergabe an den Leiter des Nationalparkamtes, dass der Block auf eine besonders schützenswerte Landschaft aufmerksam machen soll.
Im Oktober besucht Prinz Philip, Präsident des WWF, den ostdeutschen Norden. Vom Darßer Ort ist er besonders beeindruckt: “Beim Blick über dieses einmalige Land wird mir bewusst, warum Sie hier einen Nationalpark geschaffen haben.” Obwohl er selbst begeisterter Wassersportler ist, fordert er die Segler auf, diesen “Hort der Natur” – den Nothafen – zu meiden, damit einst auf den Sandbänken wieder Seehunde und Kegelrobben zu beobachten sind.

Autor: Dr. H. Konow

© 2018 Nationalparkamt Vorpommern - Impressum