15 Jahre Nationalpark

Teil 14: Viel erreicht

„Meine erste Wanderung in diesem Jahr und gleich so eine große Resonanz.“ Der Nationalparkwächter Holger Beu ist sichtlich beeindruckt. Tatsächlich soll das Jahr 2004 das Jahr der Führungen werden. 1040 Führungen finden bis Ende des Jahres statt. Mehr als 26.000 Personen nehmen daran teil. Bisheriger Höchststand waren 675 Führungen mit ca. 10.000 Teilnehmern. Das Jahr 2004 macht auch sonst von sich reden.


Wiedereröffnung der Informationseinrichtung
in der Sundischen Wiese
(Foto: A.Nehring)

Am 5. Februar übergibt der Umweltminister des Landes M-V, Prof. Dr. Wolfgang Methling, dem Leiter des Nationalparkamtes, Siegfried Brosowski, einen Schuber mit den Worten: „Es ist nicht nur der erste Nationalparkplan für die Vorpommersche Boddenlandschaft, sondern der erste in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt, der in einem umfangreichen demokratischen Prozess erarbeitet wurde.“ Nun liegt er endlich vor, der Plan für den Nationalpark.

Wegen vorgesehener umfangreicher Renovierungsarbeiten schließt die Informationseinrichtung in der Sundischen Wiese. Maurer, Zimmerleute, Elektriker werden aktiv. Dach, Fenster, Türen, Heizung – alles nebst Ausstellung wird erneuert. Genau 50 Tage später ist Wiedereröffnung. Das Gebäudeäußere sieht jedoch noch dürftig aus – kein Geld. Während der Eröffnung angeregt, kommen weitere Spenden zusammen. Anfang August ist alles fertig: Fassade ausgebessert und verputzt, Fensterbänke und Außentüren erneuert, der Weg zum Eingang gepflastert.


Blick aus dem Turm Barhöft auf die Insel “Bock”
(Foto: A.Kästner)

Auf dem Barhöfter Kliff steht ein Backsteinturm. Einst als Wachturm für die NVA gebaut, vereinsamt er nach deren Abzug. Die Gemeinde Klausdorf will ihn für Besucher zugänglich machen. Seit 1990 ist sie, in persona Bürgermeister Dr. Jochen Rüting, auf der Suche nach Konzept und Geld. Dann steht das Konzept: Zugang über eine Außentreppe, oben eine offene Beobachtungsplattform. Das überzeugt. Die EU stellt 149.400 € zur Verfügung. Weitere 18.000 € wird die Gemeinde aus Eigenanteilen aufbringen. Am 22. Oktober 2004 begrüßt Klausdorfs jetziger Bürgermeister, Thomas Reichenbach, 70 Gäste zur offiziellen Einweihung des Aussichtsturmes. Die Plattform und der Raum darunter sind zugänglich. Von beiden aus eröffnet sich ein weiter Blick in die Landschaft. Im Raum werden die Gebiete auf Tafeln erläutert, Fensterbrettauflagen ist zu entnehmen, was wo und in welcher Entfernung liegt. Diesen Raum gestaltete das Nationalparkamt.

Wissenschaftliche Gespräche

Im Jahr 2004 findet im Nationalpark ein Fachkolloquium zum Küstenvogelschutz statt. In den letzten Jahrzehnten sind die Brutbestände der Küstenvögel überall stark zurückgegangen. Vogelschutzgebieten – der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist als solches ausgewiesen – obliegt es, die Erhaltung und Optimierung von Lebensraumbedingungen für diese Vögel zu gewährleisten.

Witterungseinflüsse, Klimaveränderungen, Veränderungen des Bruthabitats oder die Bedingungen in den Überwinterungsgebieten lassen sich kaum beeinflussen, Störungen durch Haarraub- und Schwarzwild oder durch touristische Aktivitäten schon. Für und Wider werden in der Veranstaltung heftig diskutiert. Am Ende bringt es Siegfried Brosowski auf den Punkt: „Wir müssen schnell entscheiden, was wir wollen. Möchten wir den Schutz der Küstenvögel weiter sicherstellen, geht das nur mit dem Einsatz von Fallen und Waffen. Können wir uns nicht auf eine Jagd in diesen Schutzzonen einigen, müssen wir damit aber gleichzeitig das Verschwinden der letzten Küstenvögel in diesen Bereichen hinnehmen.“ Anfang dieses Jahres erlässt das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei M-V eine Ausnahmeregelung gemäß der Nationalpark-Jagdverordnung, die in Jagdruhezonen die Bejagung von Raubwild zulässt. Damit ist die Zielstellung verbunden, die Küstenvogelbrutgebiete auf dem Neubessin, auf dem Gellen sowie auf dem Bug zu erhalten.

Ein zweites Fachkolloquium wendet sich der Küstendynamik zu. Natürliche Küstenentwicklung ist eine der wesentlichsten Besonderheiten des Nationalparks. Während vom Fischland und vom Zingst pro Jahr durchschnittlich 1 m abgetragen wird, erlebt Darßer Ort starken Flächenzuwachs. Untersuchungen von Dr. Walter Schumacher und Dr. Lars Tiepolt zufolge wurden 1695 im Jahr 40 ha angelandet. Gegenwärtig sind es 200 ha.

Autor: Dr. H. Konow

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