Einsatz mit Hand und Herz –

Arbeiten am Hiddenseer Strandwallfächer

Vom 24. Februar bis 16. März führt das Nationalparkamt in Kooperation mit dem Verein Bergwaldprojekt e.V. Entbuschungsmaßnahmen am Strandwallfächer auf Hiddensee durch. An die 90 ehrenamtliche HelferInnen aus ganz Deutschland arbeiten ohne Einsatz von Maschinen und schneiden junge Kiefern und Birken von Hand aus.

Die Maßnahme dient dem Erhalt einer Heidelandschaft im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. In den Pflegezonen des Nationalparks sind ausnahmsweise dauerhafte Eingriffe des Menschen möglich. Damit werden Ziele europäischer Schutzgebiete erreicht, die ganz besondere Lebensräume in Europa schützen, wie zum Beispiel die Küstenheiden.


Foto: Stephanie Puffpaff
Natürliche Strandwallsysteme sind aufgrund des Reliefs besonders sensibel. Deswegen wird die Entbuschung in Handarbeit durchgeführt.

Hiddenseer Strandwallfächer – warum ist Eingreifen notwendig?

Strandwälle, wie der Hiddenseer Strandwallfächer entstehen, indem Sand, Geröll und Pflanzenreste vom Hochwasser an den Strand gespült werden, sich ablagern und bei starkem Wind zu fächerförmigen Strandwällen aufgeworfen werden. Auf diesem nährstoffarmen Boden wächst ein Vegetationsgeflecht aus Besenheide, Wacholder, Krähenbeere, Sonnentau, etc. Die Wacholderbestände und teilweise auch Heidebüsche im Hiddenseer Strandwallfächer sind infolge von zurückgegangener Bewirtschaftung und Beweidung mit Schafen überaltert und beginnen abzusterben. Durch Naturverjüngung breiten sich zudem verschiedene Baumarten, wie Kiefer und Birke aus und verdrängt oben genannte, unter Schutz stehende spezifische Arten. Das Mosaik dieser Landschaft als einer der letzten Rückzugsorte für stark bedrohte Tierarten ist absolut schützenswert.

Foto: Stephanie Puffpaff
Nachwachsende Kiefern und Birken werden entnommen, weil sie die geschützten Arten, wie Besenheide und Wacholder verdrängen.

„Die Maßnahme leistet einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der biologischen Vielfalt auf Hiddensee, die aufgrund der exponierten Lage der Insel besonders reichhaltig ist, erklärt die federführende Mitarbeiterin des Nationalparkamtes, Stephanie Puffpaff. „Unter anderem sind hier besonders viele vom Aussterben bedrohte Arten zu finden. Natürliche Strandwallsysteme kommen nur noch selten vor und sind aufgrund des Reliefs besonders sensibel. Deswegen kommt hier nur Handarbeit in Frage.“ Der Boden soll nährstoffarm bleiben, das brauchen die spezifischen Arten, um sich ausbreiten und gegen nachwachsende Fremdbaumarten durchsetzen zu können. Das soll künftig mittels extensiver Beweidung gewährleistet werden. Deswegen richten die HelferInnen im Anschluss an die Entbuschungsmaßnahme einen Weidezaun für Pferdehaltung auf.

Foto: Stephanie Puffpaff
Landschaftsprägende Elemente, wie dieser Baum bleiben stehen.


Bergwaldprojekt e.V.

Projektleiter für den Einsatz Hiddenseer Strandwallfächer sind Henning Rothe und Hendrik von Riewel vom Bergwaldprojekt e.V. Der Verein setzt sich für die Erhaltung bedeutender Ökosysteme ein und hat 2017 bereits Arbeiten zur Wiederherstellung natürlicher Moorlandschaften im Nationalpark Jasmund durchgeführt.

Hintergrund Natura 2000 – ausgewiesene Kulturlandschaften

Im Nationalpark gilt das Motto Natur Natur sein lassen. Ausnahmen für menschliche Eingriffe gelten in Ausnahmefällen, wie dem Erhalt ausgewiesener Kulturlandschaften auf der Grundlange des Schutzgebietssystems Natura 2000.
Der in den vergangenen Jahrzehnten festzustellende europaweite Verlust vieler wildlebender Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume war Anlass seitens der Europäischen Gemeinschaft zwei Richtlinien zur Schaffung eines länderübergreifenden Schutzgebietsnetzes in Kraft zu setzen. Maßgebend ist die 1992 beschlossene Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (kurz: Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie = FFH-RL). Die mit der Errichtung eines zusammenhängenden ökologischen Netzes von Schutzgebieten verbundene Zielstellung basiert auf der Erkenntnis, dass im Rückgang befindliche Arten nur dann dauerhaft vor dem Verschwinden geschützt werden können, wenn ihre Lebensräume (Habitate) länderübergreifend erhalten werden.


Born , 12.03.2019
Nationalparkamt Vorpommern

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