Partner zeigen Gesicht
Kleine Anstupser von Mensch zu Mensch
Eine Plakat-Aktion bringt die Gesichter unserer Partner in die Orte der Nationalpark-Region. Im Schutzgebiet sind ebenfalls verschiedene Schilder mit Portraits zu sehen, dort mit dem Fokus auf Tieraugen. Im Rahmen der Kampagne #natürlichMitVerantwortung geben Eule, Dachs oder Hase den Besuchern Anstöße, die Regeln im Nationalpark nicht zu vergessen. Außerhalb der wertvollen Naturrefugien übernehmen unsere Nationalpark-Partner und geben ihre Anstupser weiter - von Mensch zu Mensch und für die Natur.
Hier folgen die Geschichten zu den Gesichtern, in alphabetischer Reihe. Diese und die Botschaften entstanden nach Gesprächen im Jahr 2025.
Astrid Christoph
Gastgeberin
Pension Bradhering
Im malerischen Ahrenshoop wuchs Astrid auf, umgeben von Tieren und Landwirtschaft, in einem 100 Jahre alten Bauernhaus. Stück für Stück bauten die Eltern es zur Pension um, mit Liebe zum Detail und Herz für die Natur. Im Jahr 2010 ließen sie sich als erster Betrieb als Nationalpark-Partner zertifizieren. Astrid zog es nach dem Abitur an die Nordsee, wo sie ihre Lehre zur Hotelkauffrau erfolgreich absolvierte. Danach ging es beruflich hinaus auf die Weltmeere. Auf der MS Arkona verliebte sie sich in einen Thüringer Gastronomen. Nach 4 Jahren zog es beide wieder an die Ostseeküste. Nach dem Studium zur Tourismusfachwirtin in Rostock, arbeitete Astrid mit in der elterlichen Pension, bis sie 2021 das Ruder ganz übernahm. Ihren Gästen gibt die 50-Jährige beim Frühstück gern Natur-Tipps zu Kaffee und Brötchen dazu. „Viele kennen Ahrenshoop seit Jahren, aber den Nationalpark nicht. Sie kehren dann begeistert zurück, inspiriert von der Aussicht und Vogelwelt am Ottosee. Einige sind endlich überzeugt, dass es lohnt, das Auto stehen zu lassen.“ Astrid lenkt den stetigen Urlauber-Blick auf die Wetterapp gern weg, direkt in die Natur und auf die unscheinbaren Dinge, wo doch das Wetter hier ist wie es ist. Nicht einfach, aber es klappt immer wieder: „Ich freue mich, wenn die Menschen sich an Kleinigkeiten erfreuen und dankbar sind.“
Mareike und Malte Evers
Gastgeber
Hotel Haferland
Es sprüht und sprudelt, strahlt frisch grün und bunt, wenn das Paar voller Leidenschaft seine Lebensphilosophie ausbreitet. Doch von Anfang an: Malte (44) wuchs in Heidelberg auf, in einer echten Bio-Familie. Bioladen, Bio-Unternehmen, damals gab es so konsequent Fruchtschnitte und Co. bis er kein Gemüse mehr aß. Gastronom wollte Malte schon immer werden. Seine Eltern verliebten sich zur Wendezeit in den Darß, schätzen schon damals die Nähe zum jungen Nationalpark. Sie fanden für ihre Visionen einen idyllischen Platz in Wieck, den alten Campingplatz. So bauten und betrieben sie schließlich das Hotel „Haferland“ mit großem Garten, Biozertifikat und viel Gespür fürs Schöne und Ganzheitliche. Die zwei Kinder wurden trickreich mit in den Norden gelockt: mit Cola, Schokolade, Pony-Versprechen… Mareike (44) kommt von einem klassischen Bauernhof aus Schleswig-Holstein mit riesigem Bauerngarten. Die lebensfrohe, junge Frau wollte nie mehr einen großen Garten. Die Liebe zur Natur blieb aber und sie wurde Biologie-Lehrerin aus Leidenschaft. Gefunkt hatte es zwischen beiden einst bei einer Preisverleihung des Naturfilmfestivals. Mutig wagte sie mit ihrem Malte den Sprung in die Hotelleitung als 2023 ein Generationenwechsel anstand. Nun stemmen sie tagtäglich 2 ha Bio-Garten nebst Teichen, 40 Mitarbeitende, 100 Gäste, stellen sich bewusst den strengsten Bio-Zertifikaten. Sie spinnen gern rum, was der schöne Ort noch alles bieten kann zum Wohlfühlen, Inspirieren und sich wieder Spüren. Die Zuversicht, alles umsetzen zu können, steckt tief drin in dem Paar, weil das eigene Lebensglück ansteckt, denn: „Glücklich machen kannst du nur, wenn du selbst glücklich bist.“ Nebenbei hat die blühende, stille Idylle längst ihre Wiederkehrer infiziert. Manche übernachten schon zum 400. Mal! Sie leben Biologisch und wissen: „Unser Ort lebt das Wesentliche – die Natur."
Ildikó Falkenberg
Geschäftsführerin
K&K Ferienimmobilien GmbH & Co. KG
Als Kind von der Küste zog es Ildikó nicht weit in die Ferne. In Rostock beheimatet, führten die Sonntagsausflüge mit den Eltern regelmäßig aufs Fischland und den Darß. Damals wurde sich dafür extra feingemacht. Nach dem Studium von Betriebswirtschaft und Marketing ging es in die Hotellerie nach Berlin und von dort bald wieder gen Norden, an die Müritz, den Nationalpark vor der Haustür. Mit den beruflichen Herausforderungen wuchs die Affinität zur heimatlichen Natur. Ildikós gelebte Naturliebe und Freude, diese Begeisterung zu teilen, merkt man ihr an. Ihre Gäste kommen wegen der Natur. Sie passen hierher. Und wenn sie unbedarft mal „daneben treten“, die Regeln nicht kennen, gibt es freundliche Aufklärung und überhaupt, immer gute Tipps für die nächste Draußen-Tour. Eine offene, freundliche Willkommenskultur, wie sie in anderen Ländern selbstverständlich ist, den Gästen mehr erzählen als zu meckern, mit Respekt vor der Natur und vor allem mehr Zusammenhalt. Das wünscht sich die 45-Jährige von allen einheimischen Nachbarn und Gastgebern. Ihr Selbstverständnis lautet: „Gastgeberin mit Herz – Ich bin stolz auf das, was uns umgibt, und teile das gern.“
Martin Hagemann
Naturführer
Naturreisen MV
Groß geworden als Kind der Insel Rügen und der Hansestadt Stralsund, erzählt Martin (54) heute: „So lange ich mich erinnern kann, waren meine Eltern mit mir jedes Wochenende in der Natur unterwegs.“ Gesegnet mit so viel Naturprägung studierte er Informatik mit Nebenfach Ökologie. 10 Jahre führte er eine Technologietransferfirma, leistet u.a. Entwicklungsarbeit in Kamerun. Dann folgte ein abrupter Wechsel. Mit viel Gottvertrauen und Drang zum Draußensein wagte er einen Start als zertifizierter Naturführer, entwickelte eigene Touren rund um die Passion Bernstein und Kanufahren und übernahm koordinierende Stellen in Tourismusvereinen. Seine Begeisterung steckt an, nicht nur für wunderbare Naturmomente. Wurde er 2017 noch schräge angeguckt, wenn der Müll am Strand beharrlich in seiner Tüte landete, so hat er inzwischen eine große Fangemeinde. Auch, weil jegliche Funde geschickt zum Hingucker in seinen sozialen Medien mutieren – vom schillernden Meerglas bis zum Quarkbecher aus früher DDR-Zeit. „Ich freue mich, dass sich immer mehr Menschen bücken, um Müll aus der Natur mitzunehmen.“
Marcella Jandt
Gastgeberin
Hotel Schlösschen Sundische Wiese
Schon während eines Schulpraktikums in ihrer Heimatstadt Detmold am Teutoburger Wald wurde Marcella (33) klar, dass sie einmal da arbeiten würde, wo andere Urlaub machen. Im heimatlichen Tagungshotel spürte sie vor allem eins, Stress, sowohl bei Gästen als auch im Team. Ihre Ausbildung beendete sie in Zingst. Als sie einige Jahre später das erste Mal auf holperiger Straße ihrem potenziellen Arbeitsort im Nationalpark entgegenfuhr, dachte sie: Da kommt doch nichts mehr. Die scheinbar abgeschiedene Naturidylle ist ihr heute vertraut. Tiere kreuzen den Weg, das Licht, die Ruhe, nette Menschen. Hier hat sie gefunden, was ihr im Trubel der Stadt fehlte. Die Fröhlichkeit der jungen Frau steckt an. Die urlaubsreifen Gäste tauchen leicht ein in die Stille der Natur. Viele werden Wiederkehrende. Allen Menschen, die im Takt ihres Terminkalenders leben und vom Glück des Innehaltens in der Natur noch weit entfernt sind, gibt sie gern mit auf den Weg: „Schaut hin, was der Nationalpark euch schenkt und rast nicht vorbei.“
Sylva Juhnke
Naturführerin
Kur- und Tourismus GmbH Zingst
Das Boddendorf Born wurde früh Sylva's zweite Heimat. Hier verbrachte sie mit ihren ostseeverliebten Eltern die Sommer. Im Winter lebte die Familie in Prenzlau. Das wissbegierige Kind, das alles las, was ihm in die Finger kam, interessierte sich für Pflanzen aller Art, beobachtete stundenlang die Vogelwelt. Sylva's Berufsweg führte nach der Ausbildung zur Zootechnikerin mit Abitur ins Ausland. In der Ukraine, bei Charkiw studierte sie in ländlicher Umgebung Landwirtschaft und lernte die herzliche Mentalität der Menschen schätzen. Die diplomierte Agraringenieurin arbeitete danach in der LPG Demmin und schließlich wieder auf der Halbinsel. Die Tätigkeit im volkseigenen Gut endete jedoch mit der Wende. Beschäftigungsmaßnahmen führten sie in den Darßwald und in eine Ausbildung zur Naturführerin. So präpariert, übernahm sie im Jahr 2000 die Naturführungen für den Zingster Kurbetrieb. Spannend und begeistert erklärte sie fortan den Gästen Pflanzen, dann die Vogelwelt und schließlich auch die Ortsgeschichte. Immer noch lernt die 67-Jährige mit Freude hinzu, denkt nicht ans Aufhören, denn „Die Leute gucken hinterher anders in die Natur.“ – ihr schönster Lohn.
Luisa Linsenmeyer
Geschäftsführerin
Strandperlen Ferien an der Ostsee GmbH
Ihr zauberhaft klingender Kindheitsort Visselhövede liegt in der Lüneburger Heide. Weil Luisa (36) schon immer die Menschen und ihre Geschichten spannend fand, studierte sie Journalismus in Hamburg. Hier trat ihr Tiemo ins Leben, ebenso aus Visselhövede kommend und mit einer klaren Vision. Das junge Paar wollte unbedingt an die Ostsee, ein Familienunternehmen gründen. Sie suchten und fanden es in Wustrow. Gäste nachhaltig im passenden Feriendomizil beherbergen, umgeben von wunderbarer Küstennatur. Das bot das Unternehmen Strandperlen. Das junge Paar, samt 3 Monate altem Baby, übernahm ein gutes Fundament nebst Liebe zum Nationalpark, denn: „Erst die unberührte Natur des Fischland-Darß bringt die Menschen zu uns und gibt uns die Möglichkeit, gute Gastgeber zu sein.“ Dabei sollen Mitarbeitende sich ebenso wohlfühlen wie Gäste und Eigentümer und vor allem Kinder, für die Luisa eine liebevolle Muschelperlen-Geschichte schrieb und illustrierte. Das gute Miteinander trägt spürbar. Für Natur und Umwelt finden sie im Team immer wieder eine neue Lösung dazu: E-Ladesäulen, weg vom Papier, ökologische Reinigungsmittel, abbaubare Hundekotbeutel… Fehlt noch die Gästekarte nebst Bussen und Fahrern.
Denise Meißner und Carlo Meißner
Gastgeber
Meißner's Sonnencamp
Die Geschwister wuchsen mit und auf dem Sonnencamp in Prerow auf. Ihre Lebenswege führten die Verwaltungsfachangestellte in ein Kieler Ministerium und den Garten- und Landschaftsbauer ins Umland von Berlin. Bis sie urplötzlich vor der Frage standen, wie es mit dem Camping-Unternehmen der Eltern weitergeht. Sie brachen schließlich ihre festen Zelte ab und führten ab 2013 den Betrieb weiter. Seitdem ankern beide mit ihren Familien in der Region und erleben manchen Wandel der Campingfreunde. „Was du zum Strand mitnimmst, kannst du auch zurücktragen.“ kommt als geduldiges Mantra aus Carlos Mund. Manchmal reicht der „Platzwart-Blick“, manchmal schwingt schon etwas Verzweiflung mit, wenn mitten in den Dünen, hinter der Absperrung eine Hängematte aufgespannt wird. „He, was soll ich denn noch machen?“ schallt es dann schon mal deutlicher in Richtung dickes Fell. Weil immer wieder Kippen und Müll am Strand achtlos runterfallen, werden die beiden nicht müde, an das zu erinnern, was die Natur an diesen wunderbaren Plätzen bereithält. Sie kennen es nicht anders. „Früher haben wir hier gespielt und schon als Kindern war uns klar: In der Düne hast du nichts zu suchen.“ Und die Camper hatten ganz selbstverständlich auch ein wachsames Auge auf die Kinder der Nachbarn. Denise (45) und Carlo (39) wünschen sich einfach, „dass sich die Menschen nicht gegenseitig aus dem Blick verlieren und füreinander wieder mehr Verantwortung tragen – wie auch für die Natur“.
Philipp Metzger
Buchhändler
Freiluftbücher Prerow
Schon als Schüler und dann als Student der Geografie und Ethnologie „hökerte“ der gebürtige Hamburger gern mit Büchern herum. Bereits 40 Jahre ist der 55-Jährige als fahrender Buchhändler unterwegs. Sein modernes Antiquariat gibt nicht nur Büchern ein langes Leben. Mit seinem großen Angebot zu Natur- und Umweltthemen möchte Philipp Metzger nichts weniger als den Zustand der Erde besser machen. Neben dem Vogelbestimmungs- und Nationalparkbuch liegen Titel wie „Mach dich auf“ oder „Vom Glück, mit der Natur zu leben“. In Prerow hat er seinen Lieblingsplatz gefunden, auf einer wilden Wiese am Hauptstrandübergang. Seit 13 Jahren tourt der gelbe Bücherwagen bereits durch die Nationalpark-Region. Manch ein Jungleser fand hier zum Comic und so überhaupt zum Buch, manche Urlauber wagten sich an die großen Themen unserer Zeit. Seinen großen Wunsch richtet Philipp Metzger in die Zukunft: „In 10 Jahren möchte ich mit euch zusammen das Buch verkaufen: Wie wir es doch noch geschafft haben, die Welt zu retten.“ Was wäre die Welt ohne ihre Visionäre?
Ina Meyer-Stoll und Detlef Arndt
Gastgeber
Bio-Hotel Gut Nisdorf
Ina kommt aus dem Ruhrpott. In der Nähe ihrer Kleinstadt Moers sollte ein Atomreaktor gebaut werden. Das motivierte sie bereits in früher Jugend, sich für Umwelt und Frieden zu engagieren. Auf der Suche nach einer sozialen und ökologischen Lebensform fand die Sonderschullehrerin Gleichgesinnte. Die Wendezeit brachte Ina vom ersten erfolgreichen Lebensgemeinschaftsprojekt im Schwarzwald nach Brandenburg. Ein Glücksfall, sagt sie. In Belzig transformierten sie ein altes Stasi-Ausbildungsgelände zu einem lebendigen Ökodorf, schafften eine öko-soziale Heimat für 120 Menschen. Auch Detlef (65), der studierte Gerätekonstrukteur und spätere Softwareentwickler aus Potsdam, fand dort, was er für sein Leben suchte: eine tragende Gemeinschaft mit Sinn. Wichtig ist, Veränderung auch im Innern zu finden und aus Abläufen Kreisläufe werden zu lassen. Fünf von ihnen wollten nochmals etwas Neues starten, mitsamt ihrer Gemeinschaftserfahrung und Sehnsucht nach Wasser und alten Bäumen. Der Zufall bescherte ihnen das Nisdorfer Gutshaus-Ensemble mit Bio-Hotel, viel Grün und Idylle an der Boddenküste. Und natürlich sollte es Nationalparkpartner bleiben. Ein herzliches Miteinander mit naturaffinen Gästen erfüllt die beiden Mitsechziger und überhaupt, wenn Mitgefühl das Tun und den Ton bestimmen. Berührt und dankbar sind sie ob der schlichten und selbstverständlichen Verbundenheit im Dorf. „In dieser Gegend ist man darauf angewiesen, sich gegenseitig zu helfen und das Herz für alle offen zu halten, so gut es geht.“ sagt Ina (64) und Detlef ergänzt „Wenn der Rasenmäher mitten auf der Fläche stehenbleibt, kommt einer gucken und schraubt."
Mario Müller
Naturfotograf
Workshop-Referent Fotoschule Zingst
Aufgewachsen in Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt, zog es Mario schon mit 8 Jahren regelmäßig in die Station Junger Naturforscher, in die AG Ornithologie. Die Passion wurzelte früh und fest, bis heute. Auch während des Studiums für Architektur und Bauwesen gerieten abseits der Bauten Vögel ins Visier seines Fernglases. Er fand schon damals immer das Besondere in jedem Individuum. Das die „alten Vogelgucker-Hasen“ seine seltenen Funde regelmäßig anzweifelten, motivierte den jungen Ornithologen, sichere Beweisführungen durchzuführen. Das Jugendweihegeld floss anstatt in den üblichen Kassettenrecorder in eine Spiegelreflexkamera. Jahre voller Wissensdurst gepaart mit Beharrlichkeit, Technikverständnis und Naturfreude hatten Folgen. Als Ornithologe machte sich Mario Müller einen Namen. Als Seeadlerexperte wurde er zum Landeskoordinator ernannt. Seine Fotokunst füllt Vorträge und Workshops. In seinen zahlreichen Büchern teilt er sein umfangreiches Wissen. Das intensive Hobby des Bauingenieurs wurde 2016 schließlich Beruf. Bereut hat der 62-Jährige den mutigen Schritt nie, denn die Passion steckt tief: Er möchte „zeigen, was wir verlieren“, vom Kampfläufer bis zum Alpenstrandläufer – fachlich wie technisch präzise, emotional ansteckend und selbstverständlich: "Als Naturfotograf gehst du mit gutem Beispiel voran und respektierst die Regeln der Natur und des Nationalparks."
Dr. Günter Nowald
Leiter
NABU-Erlebniszentrum KRANICHWELTEN
Im Ruhrpott (Marl) geboren, den Wald vor der Haustür, faszinierten Günter (63) schon in seinen ersten Bilderbüchern die Tiere. Später inspirierten Grzimek und Sielmann und die Vogelwelt geriet ins Visier des ersten Fernglases. Das Maschinenbau-Studium sollte etwas „Handfestes“ werden. Der Diplomingenieur konstruierte danach Brammen-Stranggießanlagen für Stahlwerke. Die Passion für Natur und Umweltschutz dauerte indes an. Gern wäre er mit den Kranichen über den Teutoburger Wald gezogen. So folgte ein weiteres Studium. Zur Diplomarbeit begleitete der angehende Biologe die Kraniche in den Norden, an die Boddenküste. Er blieb, erforschte mit seiner Dissertation ihr Verhalten und leitete seit 1996 das NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf und seit 2025 das neue NABU-Erlebniszentrum KRANICHWELTEN bei Günz. Als Geschäftsführer von Kranichschutz Deutschland und rund um den Globus, in der IUCN, IRCN und ICF (International Crane Fundation), netzwerkt und engagiert sich der inzwischen renommierte Kranichexperte zum Schutz der Glücksvögel. Auch Kranichschutz funktioniert nicht ohne den ganz weiten Blick und nicht ohne Engagement über Grenzen hinweg: „Der Zauber der Kraniche verbindet Menschen – weltweit.“
Rico Nowicki
Teamleiter Fotografie
Kur- und Tourismus GmbH Zingst
Ricos Familienwurzeln in Zingst reichen gute 300 Jahre zurück. Die Kindheit bestimmten Wasser, Wind, Segeln, Waldspaziergänge mit der Familie und der Rhythmus der Kraniche. In der Schüler-AG Ornithologie schaute er mit dem Fernglas auf die Insel Kirr, als es dort noch Kampfläufer gab. Nach der kaufmännischen Lehre ging es für ein paar Jahre nach Rostock. Das Fernstudium der europäischen Betriebswirtschaft bewältigte er wieder von Zingst aus. Aber einmal ging es doch in „die Welt“, als Segellehrer bis nach Afrika. Danach ankerte die Segelpassion wieder im heimischen Bodden, so auch als Wettfahrtleiter von Zeesbootregatten. Beständig blieb der 48-Jährige auch als Teamsäule der Kur-und Tourismus GmbH, seit 2002. Der Nationalpark und das Thema Natur begriffen sie sehr früh als Chance, was auf der Halbinsel durchaus nicht selbstverständlich war. Manchen damals Nationalpark-skeptischen Zingster hat er heute noch im Ohr: „Jetzt müssen wir alle wieder in Holzpantoffeln rumlaufen.“ Diese und andere Ängste kursierten. Bei allem touristischen Aufschwung, den der Ort dann nahm, bei allem Erfolg des Umweltfotofestivals, Rico mag auch mal kurz den Wind aus den Segeln nehmen und der Kraft der stillen Orte folgen, mit seinen Kindern in den Wald gehen und lauschen. “Auch mal bremsen – maßvolle Gestaltung mit Blick auf die Natur und die Menschen, die hier leben.”
Karsten Peter
Mitarbeiter NABU-Erlebniszentrum KRANICHWELTEN
Den gebürtigen Sachsen zog es 1988 in den Norden. Als Diplomingenieur für Elektroenergieversorgung stand für Karsten der Naturschutz zunächst gar nicht auf der Agenda. Das änderte sich vor 26 Jahren als die Kraniche ihn komplett „infizierten“. Fortan galt sein ganzes Engagement unaufhaltsam den Vögeln des Glücks. Für das NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf wurde er zum festen analogen Kanal „Kranich & Gäste“, stetig „auf Sendung“ mit Vorträgen, an Infoständen, in der Ausstellung und draußen vor Ort. Den Hit „Habe ich nicht gewusst“ kann der 63-jährige bestens mitsingen, wenn wieder jemand aufs Feld latscht, in die rastende Vogelschar hinein. Nimmer müde gibt er den arglosen Vogelguckern mit „Wenn wir den Kranichen nicht ausreichend Raum und Ruhe geben, sehen wir ihnen eines Tages für immer hinterher.“ Seine Botschaft sendet er nicht nur an Gäste, sondern an alle, die aus vielerlei Bedürfnissen noch ganz andere Ideen entwickeln mögen für die so wertvollen Schlaf-, Brut- und Rastflächen der Glücksvögel.
Mathias Schilling
Unternehmer
Landwirt von der Insel Öhe
Seine „Scholle“, die Insel Öhe, liegt stolze 800 Jahre im Familienbesitz der Schillings. Die Geschichten füllen Bücher. Nach der Flucht des Vaters geboren und aufgewachsen in Schleswig-Holstein, reiste Mathias alle Ferien mit Eltern, Geschwistern, Hund und allerlei „Importware“ im Auto zu den Großeltern auf die Öhe. Als jugendlicher Ruderer ging es kraftvoll die Schlei auf und ab und rauf bis zum deutschen Vizemeister. Gastronom wollte er werden und diese Karriere nahm in Berlin als Page ihren Lauf, zum Unmut der Eltern. Australien infizierte gleichermaßen mit Gastro und Landwirtschaft, aber auch mit dem, wie es nicht sein sollte im Umgang mit der Umwelt. Das Landwirtschaftsstudium folgte, flankiert von diversem Unternehmertum, das offensichtlich gleichermaßen in den Adern steckt. Mit der Wende übernahm die Familie wieder die Landwirtschaft auf der Öhe und Mathias packte an, stellte Unternehmungen auf die Beine, fortan bis heute, mit der Familie. Mit schwingt ein Anspruch, ein ganz besonderer: Kreisläufe sollen sich schließen und zwar ökonomisch und ökologisch und in der Region und immer mit Auge fürs Dauerhafte, Bodenständige und Schöne. Anders kann es der 43-Jährige nicht. Vom Insel-Wiesenland zum Rind, vom Bodden zum Fisch, zum Zerlegen, Verarbeiten, schön verpackt in die eigenen Läden, genussvoll auf die Teller in gemütlichen Restaurants und dazu passt noch…. gefühlt im Wochentakt etwas Neues. Bei allem Erfinder- und Unternehmergeist ohne Stillstand, eines bleibt stehen: „Im Leben mit der Natur geben wir zurück, was wir nehmen.“
Henrik Schmidtbauer
Naturführer
Kajakguide darßtour
Der gebürtige Mecklenburger wuchs in Bützow auf, (fast) immer draußen, Warnow und Ostsee in der Nähe. Dem Darß blieb Henrik treu, seitdem er sich als junger Erwachsener in die Enkelin des Leuchtturmwärters verliebte. Dem Studium in Sport und Geschichte folgte ein Handwerker-Dasein als Zimmermann und Dachdecker. Dies eröffnete die besten Chancen, im ehemaligen Grenzgebiet sesshaft zu werden. Damals, als die Luftmatratze am Strand noch als Behelf zur Republikflucht galt. 35 m² bewohnte die junge Familie. Dort lernten nicht nur drei Kinder das Laufen, sondern ein Stück weit auch den Nationalpark kennen. Die Gründer trafen sich hier zu Diskussionsrunden, der erste Führungsflyer entstand. Die „Der Natur auf der Spur“-Führung gibt es bis heute. Beruflich war der 63-Jährige nach der Wende als Stellvertreter, dann als Leiter des Kurbetriebes von Prerow aktiv. Nach den Erziehungszeiten startete er mit geführten Kajaktouren in die Selbstständigkeit. Wenn er Menschen „Kopf runter ihre Meter machen“ sieht, schätzt der Naturführer einmal mehr die Ruhe im Kajak: „Es ist ein Geschenk hier zu leben und Menschen mitzunehmen, sich einfach treiben zu lassen.“
Adrien Stache
Landwirt
Der Cowboy Hofladen
Adrien wurzelt fünf Generationen tief in Groß Mohrdorf, am Bodden. Das Dorfkind musste schon mit elf Jahren ran und die Tiere des elterlichen Hofes versorgen, auch mal anstatt der Schule – ohne Diskussion. Aus der jugendlichen Sehnsucht, über die weite See fortzuziehen, wurde damals nichts. Also lernte er Elektromaschinenbau und später das Maurerhandwerk. Aus Leidenschaft fürs Draußensein, Machen, Bauen und altes Handwerk wurde Selbstständigkeit. Die Baufirma, das eigene Häuschen und eine Familie wuchsen heran, nebenbei Meisterschule und dann noch die Tiere: zuerst Hühner, dann Hund, Schwein, Pferd, Pferdeherde. Denen sollte es gut gehen. Adrien versank im alten Wissen der Cowboys, probierte aus, zum Beispiel wie Kühe die Würmer von der Pferdeweide fernhalten oder ob Esel die Wölfe verjagen, immer mehr die Kreisläufe im Blick. Aus einer Kuh wurden mehrere. Das gute Fleisch war gefragt und die gute Weidepflege ebenso. Qualität spricht sich rum, wird nachgefragt. Aus dem „Baumeister“ Adrien wurde „Der Cowboy“ – mit Leib und Seele. Die Seele war schon lange auf der Suche nach einer Instanz, die die drängenden Fragen des Lebens beantworten hilft. Gefunden hatte er den Glauben und die Liebe. Letztere vor allem in Gestalt seiner Katja, die dem ganzen Tun Kompass und Rückgrat war und ist. Unterwegssein, auf den Grund tauchen, immer mit der Natur und ohne Angst, das treibt den 55-Jährigen. „Alles wächst auch ohne uns.“ sagt er und „Alles hat seinen Grund.“ und vor allem: „Ich bin der ich bin.“
Mike Wotjak
Geschäftsführer
Hotel Schlösschen Sundische Wiese
Der Gastronom aus Leidenschaft hat seinen Ort zum Wirken und Bleiben gefunden. Nachdem er die „große Welt“, Arbeitsorte in Heidelberg, der Schweiz und sogar Kanada hinter sich ließ, hat es Mike an die Küste verschlagen. Das kleine Hotel in der Nationalpark-Natur auf dem Zingst hat es ihm angetan. Es begeistert ihn, den Dachs beim Morgenspaziergang zu treffen oder Menschen zu erleben, die anfangs ihre Alltagshektik noch dabeihaben und diese hier sehr schnell ablegen. Wenn der gebürtige Thüringer einmal mehr sagt: „Leute, macht doch mal in Ruhe und genießt das,“ dann wirkt es bei seinen Gästen. Nach und nach ist dann nur noch das Vogelzwitschern zu hören. Der 43-Jährige schätzt die Ruhepole der Natur in seiner Wahlheimat und das familiäre Miteinander auf Augenhöhe im Team wie mit den Gästen. Umso mehr wächst sein Unmut über rasende Fahrradfahrer auf dem Deich und wenn schließlich vor lauter „schneller, mehr und weiter“ nichts mehr zusammen zu passen scheint, zwischen Mensch und Natur und zwischen Mensch und Mensch. Der Traum des 12-jährigen Mike ging in Erfüllung. Er wollte ein Hotel. Sein Traum vom friedlichen Miteinander ist noch nicht zu Ende geträumt.