Bewegte Landschaft

Ein spektakulärer Blick aus dem Flugzeug verrät es: Eine Wunde in der Kernzone wächst zu und das ist das schönste Geschenk im 35. Nationalparkjahr für Robben, Regenpfeifer und Co. Die Küstendynamik im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist faszinierend und einzigartig an der deutschen Ostsee. Sie verdeutlicht uns immer wieder den ganz eigenen Takt der Natur.

Blick aus dem Flugzeug auf den renaturierten Ottosee, ehemals Nothafen © Klaus Haase
Eine Wunde in der Kernzone wächst zu – das schönste Geschenk im 35. Nationalparkjahr für Robben, Regenpfeifer und Co.

Im Herzen des Schutzgebietes liegt der Darßer Ort, hier zeichnen sich die natürlichen Küstenprozesse besonders gut ab. Jeder Sturm trägt am Weststrand des Darßes Sand ab, der parallel zum Ufer transportiert und an der nördlichsten Landzunge zu langen Sandbänken angelagert wird. Die Winterstürme gestalten Strandwälle, die als Sandhaken ins Meer wachsen. Bei Nordoststurm wandert das sandige Material teils weiter in die Prerowbucht und erweitert dort den Strand. Weht der Wind den trockenen Sand auf, entsteht ein Landschaftsmosaik aus Dünen, Sümpfen und Strandseen. So bilden sich am Darßer Ort ständig neue Landformen.
 

Um das alles zu sehen, muss man aber nicht ins Flugzeug steigen, sondern ganz leicht auf die erneuerte Aussichtsplattform am Ottosee. Wichtigstes Zubehör ist natürlich das Fernglas, um die neuen Priele und kleinen Bewohner bestens zu erfassen. Unsere Rangerinnen und Ranger tauchen bei der Führung „Dünensand und Meeresglitzern“ tief in das Thema ein und erklären anschaulich die Entstehung des jüngsten Landes im Nationalpark auf dem Rundwanderweg Darßer Ort.

Schwerer Eingriff in die natürliche Küstenentwicklung
 

Kaum zu glauben, dass mitten in der faszinierenden und lebendigen Kernzone des Nationalparks 60 Jahre lang ein künstlicher Hafen lag. Durch die dynamischen Prozesse musste die Zufahrtsrinne immer wieder ausgebaggert werden – ein enormer Kraft- und Kostenaufwand jedes Jahr. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Wunde ganz verschließt und die Priele ihren natürlich geschwungenen Wasserlauf übernehmen. Priele sind wichtige Lebensräume für Tiere, aber auch Transportwege für Wasser und Sedimente. 
 

Und die Veränderung geht immer weiter: In den neu entstehenden Dünen bildet sich neues Leben. Hier siedeln sich die ersten salzliebenden Pflanzen an wie Strandhafer oder Meersenf. Sie befestigen mit ihren Wurzeln das Neuland. Es folgen Zwergstrauchheiden wie die Krähenbeere, die den Boden vor Ausblasungen schützen. Nach und nach fassen Kiefern hier Fuß bis ganze Wälder entstehen.
 

Das paradiesische Naturrefugium Darßer Ort ist nun Brutplatz für Fluss- sowie Sandregenpfeifer. Fischotter, Eisvogel und Co. beanspruchen den renaturierten Ottosee ebenfalls für sich. Hier darf sich die Natur jetzt wieder selbst entwickeln. Nichts bleibt, wo es ist – ganz im Takt der Natur.
 

Weitere Infos zur Renaturierung des Ottosees gibt es hier.

Blick aus dem Flugzeug über den Darß, im Vordergrund Landzunge Darßer Ort © Klaus Haase
Die große Dimension des Umbaus der wilden Küste am Darß lässt sich mit einem Blick aus dem Flugzeug am besten erahnen.
Die große Dimension des Umbaus der wilden Küste am Darß lässt sich mit einem Blick aus dem Flugzeug am besten erahnen.
Priele und Sandhaken mit Schwänen und Kormoranen, Fotografierender im Vordergrund © Linda Sturm
System von Prielen und Sandhaken formt sich immer wieder neu am Darßer Ort.
System von Prielen und Sandhaken formt sich immer wieder neu am Darßer Ort.
Flugzeugblick vom Weststrand bis nach Prerow © Klaus Haase
Blick aus dem Flugzeug vom Weststrand und Darßer Ort in die Prerowbucht.
Blick aus dem Flugzeug vom Weststrand und Darßer Ort in die Prerowbucht.
Blick von oben auf die Strandseen und die Landzunge Darßer Ort © Klaus Haase
Sandhaken und Strandseen entstehen immer wieder neu. Ein kräftiger Herbststurm kann die “jungen Bauwerke der Natur“ ...
Sandhaken und Strandseen entstehen immer wieder neu. Ein kräftiger Herbststurm kann die “jungen Bauwerke der Natur“ wieder verschwinden lassen.