Bewegte Landschaft
Im Herzen des Schutzgebietes liegt der Darßer Ort, hier zeichnen sich die natürlichen Küstenprozesse besonders gut ab. Jeder Sturm trägt am Weststrand des Darßes Sand ab, der parallel zum Ufer transportiert und an der nördlichsten Landzunge zu langen Sandbänken angelagert wird. Die Winterstürme gestalten Strandwälle, die als Sandhaken ins Meer wachsen. Bei Nordoststurm wandert das sandige Material teils weiter in die Prerowbucht und erweitert dort den Strand. Weht der Wind den trockenen Sand auf, entsteht ein Landschaftsmosaik aus Dünen, Sümpfen und Strandseen. So bilden sich am Darßer Ort ständig neue Landformen.
Um das alles zu sehen, muss man aber nicht ins Flugzeug steigen, sondern ganz leicht auf die erneuerte Aussichtsplattform am Ottosee. Wichtigstes Zubehör ist natürlich das Fernglas, um die neuen Priele und kleinen Bewohner bestens zu erfassen. Unsere Rangerinnen und Ranger tauchen bei der Führung „Dünensand und Meeresglitzern“ tief in das Thema ein und erklären anschaulich die Entstehung des jüngsten Landes im Nationalpark auf dem Rundwanderweg Darßer Ort.
Schwerer Eingriff in die natürliche Küstenentwicklung
Kaum zu glauben, dass mitten in der faszinierenden und lebendigen Kernzone des Nationalparks 60 Jahre lang ein künstlicher Hafen lag. Durch die dynamischen Prozesse musste die Zufahrtsrinne immer wieder ausgebaggert werden – ein enormer Kraft- und Kostenaufwand jedes Jahr. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Wunde ganz verschließt und die Priele ihren natürlich geschwungenen Wasserlauf übernehmen. Priele sind wichtige Lebensräume für Tiere, aber auch Transportwege für Wasser und Sedimente.
Und die Veränderung geht immer weiter: In den neu entstehenden Dünen bildet sich neues Leben. Hier siedeln sich die ersten salzliebenden Pflanzen an wie Strandhafer oder Meersenf. Sie befestigen mit ihren Wurzeln das Neuland. Es folgen Zwergstrauchheiden wie die Krähenbeere, die den Boden vor Ausblasungen schützen. Nach und nach fassen Kiefern hier Fuß bis ganze Wälder entstehen.
Das paradiesische Naturrefugium Darßer Ort ist nun Brutplatz für Fluss- sowie Sandregenpfeifer. Fischotter, Eisvogel und Co. beanspruchen den renaturierten Ottosee ebenfalls für sich. Hier darf sich die Natur jetzt wieder selbst entwickeln. Nichts bleibt, wo es ist – ganz im Takt der Natur.
Weitere Infos zur Renaturierung des Ottosees gibt es hier.