Moorfrösche in der Paarungszeit

Ein Hauch von Magie liegt über den flachen Gewässern der Boddenlandschaft – denn für wenige Tage im Jahr gibt es hier überraschend blaue Akzente in der Natur. Die Moorfrösche locken mit einem auffälligen Trick die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich.

Blaugefärbter Moorfrosch zur Paarungszeit im Teich mit einem Insekt auf dem Rücken. © Klaus Haase
Die männlichen Moorfrösche färben sich zur Paarungszeit blau, um die Weibchen zu beeindrucken.

Dieses Jahr beginnt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft die Laichzeit der Moorfrösche sehr langsam und etwas später aufgrund der kalten Temperaturen und des langen Winters. Was die Paarungszeit der Moorfrösche so besonders macht: Die Männchen wechseln in dieser Phase ihre Farbe und erscheinen in einem intensiven, fast unwirklichen Blau. Dieses Farbspiel dient absolut nicht der Tarnung, sondern ist ein Signal an die Weibchen – je kräftiger das Blau, desto attraktiver wirkt das Männchen. Gleichzeitig erfüllen leise, gluckernde Rufe die Feuchtwiesen und flachen Gewässer, während sich die Tiere zu großen Gruppen versammeln. Die Laichballen der Moorfrösche bestehen, ähnlich wie beim Grasfrosch, aus 500 bis 3.000 Eiern. Das Laich-Zeitfenster ist kurz: Oft dauert dieses Schauspiel nur wenige Tage, abhängig von Temperatur und Wetter.
 

Abseits dieser spektakulären Phase wirken Moorfrösche eher unscheinbar. Mit ihrer bräunlichen bis grauen Färbung sind sie perfekt an ihre Umgebung angepasst. Sie sind relativ klein, erreichen meist nur fünf bis sieben Zentimeter Körperlänge, und bevorzugen feuchte Lebensräume wie Moore, Sümpfe und Überschwemmungsflächen. Charakteristisch ist ihre spitze Schnauze, der Längsstreifen auf dem Rücken und ein dunkler Schläfenfleck um das Trommelfell. Trotz ihres unauffälligen Erscheinungsbildes sind sie hervorragend an extreme Bedingungen angepasst und können sogar in zeitweise austrocknenden Gewässern überleben.
 

Die bedrohten Moorfrösche sind nach Bundesnaturschutzgesetz „streng geschützt“, da ihre Laichgewässer durch Zuschüttung oder Eintrag von Müll und Dünger vergiftet werden und der Bestand des Moorfrosches dadurch gefährdet ist.

Die Moorfrösche sind nur eine von vielen Amphibienarten, die in der Vorpommerschen Boddenlandschaft heimisch sind. Die Region bietet mit ihren Ostseelagunen, Wiesen und Mooren ideale Lebensräume für Frösche, Kröten und Molche. Doch viele dieser Arten sind bedroht – vor allem durch den Verlust von Lebensräumen, Entwässerung und den Klimawandel. Umso wichtiger sind geschützte Gebiete wie unser Nationalpark, in denen solche faszinierenden Naturschauspiele weiterhin stattfinden können. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, erlebt hier ein seltenes Schauspiel – und vielleicht einen der ungewöhnlichsten Frühlingsboten überhaupt.