Schweinswal-Nachwuchs braucht Ruhe!

Ein junger Schweinswal wurde gestern in der Prerowbucht nahe der Kernzonengrenze des Nationalparks gesichtet und leider von Badegästen bedrängt. Das Eingreifen einer Naturschutzwartin sicherte den Weg ins tiefe Wasser.

Schweinswal mit Schnauze über der Wasseroberfläche © Sven Koschinski
Schweinswal im Fjord- und Beltcenter Kjerteminde (DK)

Die Freude darüber, dass der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft von den bedrohten Meeressäugern als Rückzugsgebiet genutzt wird, ist getrübt. Im streng geschützten Gebiet kamen unachtsame Badegäste dem jungen Wal im flachen Wasser viel zu nahe und bedrängten ihn offensichtlich. Das beherzte Eingreifen einer ehrenamtlichen Naturschutzwartin verhinderte ein Abdrängen des Tieres an den Strand und weiteren Stress. Der Leiter des Nationalparkamtes, Gernot Haffner, zeigt sich betroffen über so viel Unachtsamkeit der Badenden und erklärt: „Junge Meeressäuger, seien es Robben oder Wale, brauchen dringend Ruhe und großen Abstand von Menschen, damit das Jungtier zur Mutter findet und es keinem Stress ausgesetzt wird. Davon hängt ihr Überleben ab! Ich appelliere an alle Neugierigen: Bei aller Faszination, halten Sie Abstand zu Jungtieren, am besten 100 Meter, und sichern damit das Überleben dieser wundervollen und bedrohten Tiere!“ Der Strandbereich wurde gestern nachfolgend von Rangern beobachtet und gesichert. „Alle Flachwasserbereiche im Nationalpark werden fortan verstärkt überwacht,“ sagt Haffner und ergänzt: „Außerhalb des Schutzgebiets haben die Rettungsschwimmer der DLRG ihre Mithilfe zugesichert, Walsichtungen zu melden und in ähnlichen Situationen unmittelbar einzuschreiten und aufzuklären.“

Zeitgleich wurde am Donnerstag ein totes Schweinswalbaby auf der Insel Rügen am Nordstrand bei Wittow von Mitarbeiterinnen des Nationalparkamtes geborgen und zur weiteren Untersuchung dem Deutschen Meeresmuseum übergeben. „Hier war die Nabelschnur noch deutlich erkennbar. Der Verwesungsgrad des Jungtieres deutet auf einige Tage auf See hin. Fallen Stürme, wie die der vergangenen Tage in die Kalbungszeit von Schweinswalen, kann es passieren, dass Neugeborene von ihren Müttern getrennt werden. Inwieweit ein Wiederfinden in dieser sensiblen Zeit möglich ist, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt,“ erläutert Stephanie Puffpaff, Sachgebietsleiterin Forschung und Monitoring im Nationalparkamt.

„Alle Sichtungen zusammen belegen einmal mehr, dass die Vorpommerschen Küstengewässer als Lebensraum vom Schweinswal genutzt werden. Für den Erhalt der im Bestand bedrohten östlichen Population ergibt sich daher eine besondere Verantwortung, nicht nur in den Schutzgebieten, aber dort ganz besonders und natürlich für jede und jeden Einzelnen, der den Tieren begegnet,“ appelliert der Amtsleiter abschließend.