Dünen und Strandwälle im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Viel mehr als Sand

Dünen und Strandwälle gehören zum jüngsten Land in unserem Nationalpark. Aber auch mit Wald bewachsene, Jahrhunderte oder mehre tausend Jahre alte Dünen kann man im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft entdecken.

Erster Strandhafer besiedelt junge Weißdüne am Darßer Ort. © Lutz Storm
Erster Strandhafer besiedelt junge Weißdüne am Darßer Ort.
Erster Strandhafer besiedelt junge Weißdüne am Darßer Ort.
Die Stranddiestel liebt die sonnigen Lagen der Dünen. © Jürgen Reich
Die Stranddiestel liebt die sonnigen Lagen der Dünen.
Die Stranddiestel liebt die sonnigen Lagen der Dünen.
Ist die Pflanzendecke der Dünen beschädigt, kann ein Sturm solche Windrisse erzeugen. © Lutz Storm
Ist die Pflanzendecke der Dünen beschädigt, kann ein Sturm solche Windrisse erzeugen.
Ist die Pflanzendecke der Dünen beschädigt, kann ein Sturm solche Windrisse erzeugen.

Dünen

An der deutschen Ostseeküste sind natürliche Dünen selten, da die Bildung höherer und ausgedehnter Dünenfelder an mehrere Voraussetzungen gebunden ist. Zum einen sind auflandige Winde notwendig, die den trockenen Sand vom Vorstrand zu Dünen aufwehen. Auch muss das Meer stets genügend Sand nachliefern. Letztlich darf es keine Küstenschutzanlagen oder Baggerungen geben, die diese Naturprozesse aufhalten.

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sind größere aktive Dünen am Darßer Ort, bei Pramort und auf dem Südgellen vorhanden.

Weißdüne

Ganz junge Dünen werden Weißdünen genannt. Erste Pflanzen setzen sich fest und fangen weiteren Sand auf. Der lässt die Düne in die Höhe wachsen. Strandhafer und Strandroggen, Meersenf und Strandplatterbse sind hier unter anderem heimisch.

Graudüne

Jahr für Jahr bringen abgestorbene Pflanzenteile immer mehr Humus in den Sand ein. Aus der Weißdüne entwickelt sich die Graudüne. Hier herrscht eine krautige Pflanzendecke vor. Verschiedene Grasarten und Kräuter wie Silbergras und Sand-Segge, Echtes Labkraut und Doldiges Habichtskraut, aber auch Strandstiefmütterchen und Bergsandknöpfchen sind hier zu finden. Dazwischen wachsen auch immer wieder Moose und Flechten.

Braundüne

Hat sich dann weiterer Humus angesammelt, können Krähenbeeren und Heidekraut Fuß fassen. Sie bilden Zwergstrauchheiden und schützen den Boden vor Ausblasungen. Nach und nach entsteht aus der Graudüne eine Braundüne. Erste Kiefern finden gute Lebensbedingungen. Nach und nach wird immer mehr Humus festgelegt, so dass ganze Wälder auf den Dünen gedeien können. Die Humusschicht ist jedoch vergleichsweise dünn.

Strandwälle

Strandwälle sind langgestreckte Sand- und Kiesdämme, die durch mittransportiertes Material auflaufender Wellen entstehen. Sand, Geröll, aber z. B. auch Pflanzenreste, werden am Strand aufgeworfen und nicht mehr vom Rückstrom des Wassers erfasst. Strandwälle verlaufen meist uferparallel. Durch wechselnde Strömungsverhältnisse kann es aber auch zur Ausbildung ganzer Strandwallsysteme kommen, wie sie im Nationalpark nach jahrtausendelanger Entwicklung besonders anschaulich auf dem Neudarß entstanden sind.

Lebensbedingungen in den Dünen

Dünen- und Strandwallbereiche erwärmen sich im Sommer sehr stark. Charakteristisch ist auch die extreme Bodentrockenheit. Diese Lebensräume werden laufend mehr oder weniger stark übersandet, da ständig neues Material nachgeliefert wird. Stellenweise wird das durch Pflanzenwuchs noch wenig festgelegte Material durch den Einfluss des Windes wieder abgetragen.

Die Tierwelt der Dünen

Dünen und Strandwälle werden von einer Vielzahl trockenheits- und wärmeliebender Insekten wie dem Küstensandlaufkäfer (Cicindela maritima) bewohnt. Daneben kommt eine ganze Reihe seltener Schwebfliegen-, Bienen- und Wespenarten vor.

Ein weiterer typischer und im Nationalpark weit verbreiteter Dünenbewohner ist die Kreuzkröte (Bufo calamita). Ihre Laichplätze befinden sich in Dünentälern der Braun- und Graudünenregion. Unter den Reptilien ist besonders die Kreuzotter (Vipera berus) in den Dünen des Nationalparks häufig.

Charakteristische Brutvögel der Dünen- und Strandwallbereiche sind Heidelerche (Lullula arborea), Brandgans (Tadorna tadorna) und Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula). In den Strandwallsystemen auf dem Neuen Bessin brütet die Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons), für die diese meeresnahen vegetationsarmen Kies- und Sandbänke unersetzlich sind.

Gefährdung der Dünen

Weiß- und Graudünen sind besonders trittempfindlich. Gehen wir hinein, zerstören wir die dort wachsenden Pflanzen oder gar die dünne Humusschicht. An diesen Stellen kann dann der Wind hineinblasen und große Löcher in die Dünen reißen. Damit man die Dünenlandschaften des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft trotzdem erleben kann, hat das Nationalparkamt Rundwanderwege mit Bohlenstegen angelegt. Hier kann der Gast die Dünen erleben, ohne sie zu schädigen.

Riegen und Reffe

Die Dünentäler werden auch Riegen genannt, die Dünenrücken Reffe. In der offenen Dünenlandschaft werden sie als Einheit wargenommen. Durchquert man aber den Darßer Wald, so fällt die Bewegtheit des Bodens auf. In den ehemaligen Dünentälern finden wir heute Erlenbrüche und auf den ehemaligen Dünenrücken zum Beispiel Buchen oder Kiefern. Um nicht immer ehemalige Dünentäler und ehemalige Dünenrücken sagen zu müssen, nutzt der Landschaftskenner hier den Begriff der Riegen und Reffe.