Lebensräume

Windwatten

Sandwatt
Eine der kleinen Wattflächen im Anlandungsbereich der Insel Hiddensee
(Foto: J. Schmiedel)

Lebensraum der Extreme

Obwohl die Gezeiten der Ozeane im Bereich des Nationalparks kaum noch spürbar sind, treten Wasserstandsschwankungen auf, die vor allem durch Windeinwirkungen hervorgerufen werden. Man spricht daher bei den bei Niedrigwasser trocken fallenden Wattflächen des Nationalparks von Windwatten.
Dieser Lebensraum ist durch extreme Umweltbedingungen geprägt. Wochenlangem Trockenfallen folgt unter Umständen eine tagelange Überflutung, Salzarmut bei Regenfällen folgt ein extremer Anstieg der Salzkonzentration bei sommerlicher Verdunstung, und die tagsüber bei direkter Sonneneinstrahlung überhitzten Flächen kühlen des Nachts stark aus. Nur sehr wenige wirbellose Tierarten können daher im Windwatt existieren. Diese kommen dort aber in ungeheuren Individuenzahlen vor. Sie sind als Nahrung für viele im Nationalpark vorkommende Watvogelarten von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise suchen Säbelschnäbler und Sanderlinge dort einen Großteil ihrer Nahrung.
Zusätzlich sind die Wattflächen ein sicherer Ruheraum für Vögel und Robben. In diesem offenen und übersichtlichen Biotop können Feinde von den ruhenden Tieren frühzeitig erkannt werden. Eine besondere Berühmtheit hat das Windwatt am Bock als Übernachtungsort von mehreren Tausend Kranichen auf dem alljährlichen Herbstzug erlangt.

Alpenstrandläufer
Auf den Windwatten suchen viele Watvögel - wie dieser Alpenstrandläufer - ihre Nahrung.
(Foto: J. Schmiedel)

Das Watt am Dornbusch

Unterhalb der Moränensteilküste des Dornbuschs befindet sich eine Sonderform der Wattflächen. Dieses Watt ähnelt in weiten Bereichen einem Felswatt, denn es ist sehr reich an größeren Steinen. Flora und Fauna sind völlig anders als auf den übrigen Wattflächen. In den tieferen Bereichen ist ein dichter Bewuchs mit Blasentang und anderen Großalgen entwickelt. Von den durchziehenden Watvogelarten sind speziell an diesen felsigeren Ufertyp der Steinwälzer und der Meerstrandläufer angepasst.

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