Historischer Moment und Gewinn für alle

Seit Mitte September wird der Nothafen am Darßer Ort renaturiert. Zusammen mit Umweltverbänden besuchte Minister Dr. Till Backhaus den Nothafen und machte sich vor Ort ein Bild der Rückbauarbeiten.

Vertreter Umweltverbände und der DGZRS machte sich Minister Dr. Backhaus besichtigen Rückbauarbeiten des Nothafens Baufortschritten am Ersatzhafens © M. Timm
Gemeinsam mit Umweltverbänden und der DGzRS machte sich Minister Dr. Backhaus ein Bild von den Rückbauarbeiten des Nothafens und den Baufortschritten am Ersatzhafen.

Anlässlich der kürzlich angelaufenen Bauarbeiten zur Renaturierung des Nothafens „Darßer Ort“ informierte sich Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus am letzten Donnerstag über den Baufortschritt im Bereich des Nothafens und des zukünftigen Inselhafens Prerow. Vor Ort nahmen Vertreter und Vertreterinnen der Gemeinde Ostseebad Prerow, der Seenotretter und mit dem WWF, BUND und NABU auch Umweltverbände teil, die sich seit Jahrzehnten für einen Ersatzhafen und eine Rückführung des Ottosees in seinen ursprünglichen Zustand einsetzen.
 

Es kann schon als Gruß der besonderen Natur in der Kernzone verstanden werden, als sich zu Beginn des Besuches ein imposanter Rothirsch auf der anderen Seite des Nothafens zeigte und die Anwesenden kurz vom eigentlichen Geschehen ablenkte.
 

Mit dem Ottosee als Kulisse begrüßte Minister Dr. Backhaus die Anwesenden und gab einen kurzen Einblick in die Historie des Nothafens. Neben einem Rückblick auf verschiedene Lösungsansätze in der Vergangenheit, ging er auch auf die laufenden Arbeiten zur Renaturierung des Ottosees ein. Für ihn stand immer fest, dass die Nutzung als Nothafen nach der Wende „nur eine Übergangsphase sein kann“.
 

„Mit der nun begonnenen Renaturierung des Nothafens Darßer Ort wird ein Teil des Nationalparkplans Realität. Zum Ende der Wassersportsaison - konkret zum 15. Oktober 2023 - wird der Nothafen in der Kernzone des Nationalparks geschlossen“, so der für den Inselhafenbau zuständige Minister. „Das Kapitel des Einschnitts in die Kernzone ist damit Geschichte. Als Ersatz für den Nothafen wird in der nächsten Saison der neue Inselhafen verfügbar sein, der auch als kleiner Etappenhafen nutzbar ist und über entsprechende Infrastruktur verfügen wird”, setzte er fort.
 

Minister Backhaus setzte sich persönlich und sehr engagiert für einen Ersatzhafen ein und erklärte das Projekt sogar zur Chefsache und Herzensangelegenheit. Das erkannte Amtsleiter Gernot Haffner mit lobenden Worten gebührend an. „Wir sind alle froh, dass wir mitwirken konnten und dass es am Ende ein gemeinsamer Erfolg ist, aber ohne dich wäre es nichts geworden“, richtete Gernot Haffner eindrückliche Worte des Dankes an den Minister.
 

Zuvor beschrieb Gernot Haffner das Projekt „als Traum für den Nationalpark“.

Dabei ging er auch auf die Besonderheiten der in der Kernzone des Nationalparks vorherrschenden Naturabläufe ein. „Die Küstendynamik, die freie Entwicklung der Küstenform, das ist eins der Hauptaugenmerke unseres Nationalparks. Das steht als Hauptschutzziel in unserer Verordnung. An der empfindlichsten Stelle war es bisher gestört und bekommt jetzt seine freie Dynamik wieder“, führte Gernot Haffner weiter aus. „Und wir werden die Menschen hier auch nicht aussperren, sie werden alle die Entwicklung sehen können. Wir erhalten die Wege und die Aussichtsplattformen. Es wird hier ein wunderbarer Ort, wo man sich nach einigen Jahren, wenn sich alles geformt hat, schwer erinnern kann, was hier vorher gewesen ist.“
 

Nicht nur der Nothafen an sich markierte einen Einschnitt in die Kernzone des Nationalparks.

Für das Offenhalten der Fahrrinne wurden im Laufe der Zeit immer häufiger Baggerungen notwendig, deren Kosten sich auf insgesamt 5,1 Mio. Euro belaufen. 40.000 LKW-Ladungen Sand wurden über die Jahre vom Nothafen abtransportiert und verklappt.
 

Der neue Inselhafen am Kopf der Seebrücke vor Prerow wird zukünftig Liegeplätze für den Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Fischer und schutzsuchende Wasserfahrzeuge zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zum bisherigen Nothafen werden mehr als 30 Liegeplätze auch für Gäste bereitstehen, die die Etappe auf dem Weg von und nach Rügen oder Barhöft planmäßig unterbrechen wollen. Erstmals wird es auch moderne sanitäre Anlagen und Wirtschafts- sowie Aufenthaltsräume für die DGzRS geben.
 

„Die Seenotretter begrüßen die Initiative des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich“, sagte DGzRS-Geschäftsführer Kapitän Michael Ippich. „Aus unserer Sicht ist das ein guter Ausgangspunkt und ein super Starthafen in Richtung Kadettrinne“. Auf die wiederholte Kritik, dass der Inselhafen für den Seenotrettungskreuzer zu klein sei, erwiderte er unmissverständlich „Nein, ist er definitiv nicht.“ Gleichwohl blieb der Wunsch, dass er auch hätte größer sein können.
 

Außerdem gab er die Empfindungen der Besatzungen weiter, die der Schließung des Standortes mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegensähe. „Sie sind sehr gerne hier in dieser schönen Natur gewesen, aber man muss auch bedenken, dass es nicht die Station mit den optimalen Bedingungen war. Sie haben aber auch ein lachendes Auge, weil er zurück an die Natur geht“, fuhr er fort.
 

Diesen Faden griff auch der ehemalige Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp, auf. Die Umweltverbände und der Förderverein Vorpommersche Boddenlandschaft schauen rückblickend zufrieden auf Erreichtes zurück und sehen sich auch mit ihrem Wirken am Ziel.
 

„Es ist schon eine tolle Sache, dass man den Augenblick der Umsetzung des Rückbaus nach 30 Jahren Arbeit für die Kernzone des Nationalparks miterleben kann. Das ist historisch. Es heißt aber auch: wir brauchen einen langen Atem im Naturschutz“, gab er zu Bedenken und fügte lachend hinzu: „Mittlerweile bin ich im Ruhestand.“
 

Im Anschluss ging es mit dem Boot zur Besichtigung des im Bau befindlichen Inselhafens. Vor Ort angekommen informierte sich der Minister zum bisherigen Baufortschritt sowie zu den anstehenden Bauarbeiten bis zur Inbetriebnahme im nächsten Frühjahr. Auch die teilweise fertiggestellte Seebrücke wurde dabei seeseitig begutachtet. Laut Bauleitung sei es die erste Beton-Stahl-Seebrücke ihrer Art. Da unter Umständen Seenotfälle die Befahrbarkeit per Krankenwagen vom Inselhafen gewährleistet werden müssen, war eine Seebrücke aus Holz nicht umsetzbar.
 

Auch die Gemeinde Ostseebad Prerow sieht das Vorhaben insbesondere mit Blick auf die neue Seebrücke und die touristisch nutzbare Dachterrasse des Betriebsgebäudes des Inselhafens positiv. Sie unterstützt das Vorhaben des Landes mit einem eigenen Bauvorhaben zur Umgestaltung des Seebrückenvorplatzes, das derzeit parallel zum Bau der Seebrücke realisiert wird. Auch davon konnten sich die Teilnehmenden anschließend an der landseitigen Wurzel der Seebrücke einen Eindruck verschaffen.
 

„Es ist für alle ein Gewinn: für die Natur, für die Segler, für die Gemeinde und den Tourismus”, fasste Annett Storm, Vorsitzende des Fördervereins Vorpommersche Boddenlandschaft, abschließend treffend zusammen. „Es ist einfach nur toll, dass der wunde Punkt des Hafens am Darßer Ort nach 30 Jahren so einen großartigen Abschluss findet. Es zeigt auch, dass es sich lohnt, an Themen dran zu bleiben und immer wieder den Finger in die Wunde zu legen, um für die Natur das Bestmögliche zu erreichen”, zeigte sie sich begeistert.

Umweltminister Dr. Till Backhaus und Nationalparkamtsleiter Gernot Haffner im Nothafen Darßer Ort © M. Timm
Umweltminister Dr. Backhaus gibt einen Einblick in die Geschichte des Nothafens und informiert sich vor Ort über die ...
Umweltminister Dr. Backhaus gibt einen Einblick in die Geschichte des Nothafens und informiert sich vor Ort über die Rückbaumaßnahmen.
Die Arbeiten am Ersarzhafen schreiten voran. © M. Timm
Die Arbeiten am Ersatzhafen schreiten voran.
Die Arbeiten am Ersatzhafen schreiten voran.
Historisches Luftbild des Nothafens Darßer Ort © H. Sporns
Historische Luftaufnahme des Nothafens Darßer Ort aus dem Jahr 1990.
Historische Luftaufnahme des Nothafens Darßer Ort aus dem Jahr 1990.
Minister Dr. Backhaus informiert sich über den Baufortschritt © M. Timm
Vor Ort im Inselhafen Prerow informiert sich Minister Dr. Backhaus über den Baufortschritt.
Vor Ort im Inselhafen Prerow informiert sich Minister Dr. Backhaus über den Baufortschritt.