Die Gänse im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Gesellige Schnatterer

Wenn man im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft Gänse sieht, dann meist in großen Gruppen auf Wiesen. Die Region ist vor allem für den Vogelzug im Herbst und Frühjahr ein wichtiger Trittstein. In milden Wintern bleibt ein Großteil der Tiere jedoch auch hier. Unter den Gänsen ist nur die Graugans heimischer Brutvogel und findet hier ideale Bedingungen vor.

Nonnengänse im Schwarm © Klaus Haase
Nonnengänse im Schwarm
Graugans im Flug © Jürgen Reich
Graugans im Flug

Graugans


Graugänse gehören zu den heimischen Brutvögeln. Sie brüten an den Schilfufern der Bodden, in Erlenbrüchen oder auch schon mal in einem alten Krähennest. Ab Ende Juni sammeln sich bis zu 20.000 mausernde Graugänse (Anser anser) auf den Windwatten und Wasserflächen des Nationalparks. Weil sie kurzfristig ihre Flugfähigkeit verlieren, sind sie besonders empfindlich gegen Störungen.

Nonnengänse © Jürgen Reich
Nonnengänse

Weißwangengans


Die Weißwangengans ist Seevogel des Jahres 2021. Sie ist im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft besonderns in der Vogelzugzeit in großen bis sehr großen Trupps zu entdecken. Gelegentlich rasten um die 15.000 Tiere auf den Wiesen. Ihr markantes Aussehen hat ihr auch den Spitznahmen Nonnengans eingebracht.

Kanadagans
 

Die weltweit häufigste Gans ist auch im Nationalpark Voropmmsche Boddenlandschaft anzutreffen. Hier mischen sie sich bei der Futtersuche an Land gern unter Weißwangen- oder auch Graugänse. Kanadagänse sind die größten unter den in Europa vorkommenden Gänsen. Ihr Name kommt von ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Im 17. Jahundert wurden sie zuächst in Großbritanien und dann Ende des 18. Jahunderts auch im restlichen Europa eingeführt.

Ab Ende August werden die westrügenschen Gewässer von 7.000 bis 10.000 Kanadagänsen bevölkert.

Ringelgänse bei der Futtersuche auf einer Wiese © Jürgen Reich
Ringelgänse bei der Futtersuche auf einer Wiese

Ringelgans


Ringelgänse gehören zu den Meergänsen und haben eine hohe Bindung ans Meer und an die Küste. Rasten sie in der Boddenlandschaft, dann schwimmen sie meist in großen Gruppen auf der offenen See.

Der Neubürger Nilgans ist immer wieder im Nationalpark anzutreffen. © Lutz Storm
Der Neubürger Nilgans ist immer wieder im Nationalpark anzutreffen.

Nilgans


Der Name Nilgans deutet klar auf den ägyptischen Ursprung dieser kleinen Gänseart hin. Als Ziergänse wurden sie im 17. und 18. Jahundert in Europa eingeführt und entkamen hier und da. Nun ist die Nilgans gerade dabei, sich in Europa auszubreiten. Auch im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft werden immer wieder einzelne Nilgänse gesichtet.

Brandgans © Nationalparkamt
Brandgans

Brandgans


Die Brandgans oder, wegen ihrer geringen Größe auch Brandente genannt, hat eine sehr markante Färbung. Weil der Nistplatz so gut versteckt ist, kann sich auch das Weibchen ein auffälliges Federkleid erlauben.
 

Die Brandgans nistet fast ausschließlich in 1 bis 2 m langen Erdlöchern, die sie manchmal selbst ausscharrt. Meist werden aber die verlassenen Höhlen von Kaninchen, Füchsen und anderen Säugetieren genutzt. Die Tiere brüten stets am gleichen Ort, sie sind also ausgesprochen ortstreu. Die Nistplätze suchen sie bereits verpaart im Februar, gewöhnlich aber erst im März auf. Das Weibchen legt im April bis Juni in die mit Dunen ausgepolsterte Nisthöhle 7 bis 12 weiße Eier, die es allein ausbrütet, während sich das Männchen zum Schutz in der Nähe des Nestes aufhält und teilweise sogar vor dem Höhleneingang Wache hält. Nach rund 28 Tagen schlüpfen die Jungen und werden nach Trocknen des Gefieders sogleich von den Eltern zum Wasser geführt. Dort durchsieben sie mit ihrem Schnabel das Wasser oder lesen ihre Nahrung vom Boden oder von der Vegetation ab. Nur selten kann man sie beim Nahrungserwerb auch tauchen sehen.


Wenn Sie im Frühjahr eine Brandgans an der Küste beobachten, handelt es sich um einen Vogel, der keinen Nistplatz mehr gefunden hat. Brutvögel erkennen Sie daran, dass Sie sie nicht sehen! Bei einem Mangel an Nisthöhlen können Brandgänse auch Gemeinschaftsnester anlegen, die im Extremfall 50 Eier umfassen können! Die sogenannten Kindergärten können aus bis zu 100 Jungvögeln bestehen!

Brandgänse haben es nicht leicht. Intensive Freizeitnutzung an den Brut- und Mauserplätzen machen der Brandgans zu schaffen. Die Tiere finden entweder keine geeigneten Nistmöglichkeiten mehr oder werden durch Störungen aus ihrem eigentlichen Lebensraum verdrängt.
In den letzten 20 Jahren ist die an unserer Küste gefährdete Art über 20 % zurückgegangen.

Die meisten Brandgänse brüten in den mehr marin geprägten inneren Seegewässern. Die großen Flachwasserbereiche der Bodden und die Vogelinseln des Nationalparks sind somit immens wichtig, da sie den Tieren optimale Nahrung, Schutz sowie ungestörte Brutplätze bieten. Die Insel Liebitz ist ein von Brandgänsen bevorzugtes Brutgebiet.